Probestück.

Zugreifen oder nicht? Mitnehmen, was geht, besonders, wenn es essbar ist? Wer lacht? Autoren sind so. Wer weiß, wann es wieder was zwischen die Zähne gibt! Veranstaltungen mit Snacks haben immer Vorrang. Snack und Aperol Spritz? Noch viel besser. Aber wenn da so etwas auf der Theke steht und das vielleicht schon seit heute Morgen …
Wir haben jetzt 16:07 Uhr, kontofreundliche Tätigkeiten waren bisher noch nicht zu verzeichnen, auf Belohnungskuchen wollte ich aber trotzdem nicht verzichten, also schnell einen Kaffee aufsetzen und husch in die Bäckerei. Und da stand es, das Pappdeckelchen mit den … dem … der – ich vermute es war einmal eine Nussecke.
„Stückschen probieren?“, fragt die Dame hinterm Tresen (Rheinländer und besonders Kölner arbeiten gerne ein paar sch in Wörter ein, Eischhörnschenmännschchen ist ein sehr schönes Wort für echte Kölner).

Meine Finger zucken schon, das Handgelenk bereitet sich ebenso wie der Unterarm auf Aktion vor. Die Bewegung endet in meinem Nacken, kurzes Kratzen im Haaransatz und: „Äh, nein, sehr nett!“ Fast hätte ich gesagt, dass ich nichts Süßes esse, obwohl die Dame gerade einen Bobbes einpackt – schwer, buttrig, marzipanig(sch) und: süß.
Ich esse nie Probestückchen, fällt mir dabei auf. Keine gefüllten Oliven mit Länderfähnchen, keine Rochefort-Eckchen, die schon schwitzen und auch nicht schnell mal eine Kirsche, obwohl noch gar keine Kirschenzeit ist., „Die sin’ schon supa!“  hin oder her. Versteckt sich da ein kleines hinterhältiges Luder, genannt Phobie? Auch die Erdnüsse in Kneipen rühre ich nicht an und das mit gutem Grund, wenn ich mir die Statistiken anschaue, wie viele sich die Hände nach dem Klo-Besuch nicht waschen. Und überhaupt!
Klobesuche.
Neulich habe ich gelesen, dass diese Dinger, die die Hände trocken pusten, wahre Bakterienschleudern sind. Im wahrsten Sinne, weil sie wie die Bekloppten pusten, meistens mit schön warmer Luft, und Bakterien lieben Wärme. Warm und feucht und …
Och nein, ich bin doch gar nicht so. Ich fürchte mich vor fast nichts. Ist das vielleicht die Strafe dafür, dass ich auch um 16:31 Uhr immer noch nichts Kontofreundliches zustande gebracht habe?

Wenn ich doch wenigstens ein Stückschen zum Probieren geschrieben hätte, so ein Lesepröbschen oder ein Eckschen von einem Exposéschen. Plötzlich fühle ich mich der Frau ganz nahe, nein, der ganzen Bäckerei fühle ich mich nahe. Ich BIN die Bäckerei. Übrigens, im Schaufenster dort hängt das Bild (welliger Computerausdruck auf mittlerweile angegilbtem Papier) eines Hundes und das einer Katze, beide mit einer Sprechblase und darin steht: „Beste Bäckerei weit und breit“. Sind diese Zettel nun so etwas wie eine Amazon-Kundenrezension? Sind das fünf Sterne? Dieser Tag macht mich … durcheinander. Was bedeutet es für mich als Bäckerei, wenn ich solche Rezensionen bekomme? Von einem Hund. Und was bedeutet es für den Hund? Wie traurig ist das denn, wenn er Testimonial für Dinkelbrot und Bienenstich sein muss? Wahrscheinlich hat seine Model-Agentur gesagt, er soll erst mal unten anfangen, in ein paar Jahren kann er auch mit einem Job für eine Metzgerei rechnen. Oder einen Wursthersteller, Herta vielleicht. Ach, ich bin zu sensibel, ich denke zuviel nach. Aber so sind wir Autoren.

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