Warum Autoren jammern dürfen, sich aber nicht beschweren sollten.

Ich beobachte die Diskussion (und das Lamentieren) „der Branche“ um die Entwicklungen im Verlags- und Buchhandelswesen seit einiger Zeit, natürlich spielen die Themen Self Publishing, neue Formen des Schreibens, des Kontakts zu Leserinnen und Lesern für mich als Autor dabei eine wichtige Rolle. Mir gefällt, dass Petra van Cronenburg es im Interview mit Gesine von Prettwitz (ja, heute ist von-Tag) schafft, über den eigenen Tellerrand einer Autorin hinauszuschauen, die Vor- UND die Nachteile der Zusammenarbeit mit Verlagen versus Self Publishing zu beleuchten.

Ich bin ein klassischer „Verlagsautor“, der vom Anbeginn seiner Schreibkarriere „im Auftrag“ geschrieben hat, das heißt, ich hatte immer einen Verlag, der meine Projekte herausbringen wollte, für freie Arbeiten blieb nie Zeit und es gibt auch keine gut gefüllte Schublade von abgelehnten Manuskripten, die ich nun auf den Ebook-Markt werfen könnte. Schade, denke ich manchmal.

Ich habe in diesen nunmehr zehn Jahren habe über Lektoren gestöhnt und sie über mich, ich bin gefeiert und verdammt worden, war ein toller Hecht und eine kleine Wurst und durfte gerade eben erleben, wie es ist, wenn plötzlich ein Großkonzern deinen Verlag kauft – und schließt (vor wenigen Wochen geschehen).

Unterm Strich möchte ich diese Zusammenarbeit nicht missen. Es ist wie mit der Deutschen Bahn: man kommt fast immer zum Ziel, manchmal ist es unbequem (und der Speisewagen funktioniert nicht), aber wenn man sich in Gelassenheit übt, ist es ein gutes Verkehrsmittel. Und es ist genauso spannend, weil eine Garantie, dass der Triebkopf funktioniert, hat man weder beim ICE noch bei der Regionalbahn.

Die entscheidende Fragen für uns Autoren ist doch: Wo stehe ich und stehe ich überhaupt? Wer bin ich? Was macht mich aus?

Sind unsere Antworten davon geprägt, was Vertriebsleute vielleicht denken, ob ich 2000 Facebook-Freunde habe oder ob der Buchhandel weiß, auf welchen Stapel er meine Bücher legen soll – dann habe ich ein oder mehrere Probleme und in ein paar Jahren vielleicht genug Punkte gesammelt für einen Gratisaufenthalt in einer Klinik. Wahlweise Herz- oder Seelenabteilung.

Meine früheren Berufserfahrungen aus der Zeit als Berater in PR-Agenturen haben mir manchmal geholfen, oft haben sie mich auch behindert. Ich bin jemand, der über alles Kontrolle haben möchte, der auch glaubt, ziemlich viel zu wissen und zu kapieren. Ich WILL mitmachen, ich will bei meinen Büchern über die Vermarktung mitreden und übers Cover und über alles. Eigentlich ein Horror für die Verlage. Ich habe ein paar Jahre gebraucht, um zu verstehen, dass es auch ein Horror für mich ist, jedenfalls wenn dieses Verlangen zu groß ist. Charles Dickens hat das ziemlich gut drauf gehabt, sogar gleich die Zeitschriften gegründet, in denen er dann seine Fortsetzungsausgaben veröffentlicht hat. Aber ich bin (leider) in jeglicher Hinsicht nicht Charles Dickens.

Autoren haben nur eine Aufgabe: schreiben. Wenn möglich, gut schreiben.

Ich beobachte reihenweise Kollegen, die den Fokus verlieren, weil sie auf sämtlichen Hochzeiten tanzen wollen – genau wie ich – und dabei den Blick für das Wesentliche verlieren. Das Wesentliche sind unsere Geschichten, kurz oder lang, mit oder ohne Vampire, für Männer oder Frauen, für iPads oder in Leinen.

Am Ende kann es sein, dass man hungrig dasteht oder traurig. Aber das ist unser Risiko. Niemand hat uns irgendetwas versprochen. Ein Verlagsvertrag klingt wie ein Versprechen, weil wir das daraus lesen wollen. Die Erfolgsstory des Self Publishers klingt wie ein Versprechen, weil wir das so hören wollen. Deshalb dürfen wir beim Autorenstammtisch und auf Facebook gerne mal ordentlich jammern, aber beschweren? Nein. Außerdem: bei wem? Wir haben uns das doch so ausgesucht.

Trotz allem spricht auch einiges dafür, es wie Charles Dickens zu machen. Stellen wir uns mal vor, was ein Mann dieser Energie gemacht hätte, wenn nicht nur eine Druckerpresse und Papier, sondern auch noch einen Twitter-Account zur Verfügung gehabt hätte? (Oh, vielleicht die Idee für eine Geschichte, „Dickens Reloaded“!) Ob wir damit aber im Kern der Dinge – im Herzen und auf dem Konto unabhängig und befreit unsere Geschichten schreiben zu können – wirklich vorwärts kommen? Hm …

Der Punkt mit der vermeintlichen Unabhängigkeit des Self Publishers in Petra van Cronenburgs Antwort hat mir sehr gefallen!

Was rätst du jenen, die Schritte in Richtung Self Publishing / Independent Publishing planen? Worauf sollten sich Autoren, die ihre Publikationen in die eigene Hand nehmen, besonders einstellen?

Dass sie zusätzlich zur Arbeit des Schreibens die Arbeit und die Risiken eines Verlegers übernehmen. Schon von daher verstehe ich die Verlegerschelte nicht, die in manchen Self-Publishing-Kreisen üblich ist. Wenn sie dann wirklich alles selbst machen wollen, ist das eine ungeheure Belastung. Viele unterschätzen, wie viel Arbeit allein in den Produktionsprozessen liegt. Und die meisten lügen sich einen „Erfolg“ schön, weil sie nicht ehrlich budgetieren. Man sollte auch möglichst früh lernen, dass es wahre Unabhängigkeit nicht gibt. Self Publisher, die professionelle Ware liefern wollen, sind auf Netzwerke, freie Mitarbeiter, womöglich auf Tauschhandel – und vor allem auf ihre Leser angewiesen. Das Faszinierendste ist gleichzeitig das Schwierigste: Unsere Leser und die Kommunikation mit ihnen stehen an erster Stelle. Du weißt aus der PR, wie lange es dauert, sich Fankreise aufzubauen, wie zeitintensiv das ist. Das unterschätzen viele.

Nicht zu vergessen ist: Niemand ist ein größerer Tyrann als die Masse. Niemand ist gnadenloser als das Publikum. Niemand ungerechter, niemand wankelmütiger, niemand untreuer. Und niemand attraktiver. Klar, es wird weiter ein paar vom Tellerwäscher-zum-Millionär-Storys geben. Im Ebook-Bereich wird aber selten nachgerechnet, ob die Million auch eine ist. Sie ist es fast immer NICHT.

Wenn gefeiert wird, dass jemand 100.000 Downloads á 99 Cent hat, von denen er ca. 30 bekommt und dafür 7 Bände einer Reihe geschrieben hat (so wie Jonas Winner), jeweils 150 bis 200 Seiten lang, dann setzt er pro Buch 5000 Euro um – abzüglich Kosten für freies Lektorat (hoffentlich!!!!), evtl. technischen Support, evtl. Cover-Gestaltung usw. und: Steuern. Ich hoffe, alle wissen, wie lang es normalerweise dauert, bis man ein halbwegs passables 200-Seiten-Buch geschrieben hat. Und dann hoffe ich, dass er auch noch andere Einnahmequellen oder zumindest eine Mitversicherung bei der Gattin hat.

Das war die (zugegeben sehr grobe) Rechnung für einen Spitzen-Ebooker.

Jonas Winner, dem der Durchbruch mit seiner Berlin Gothic-Reihe nun auch finanziell gelungen sein wird, war aber nach einem bestimmten Punkt alle Aufmerksamkeit der Branchenmedien und der Öffentlichkeit sicher. Er war vorher schon hervorragend verNETZt und ein sehr aktiver Blogger und Journalist. Hinter diesem Erfolg steckt ein enormer Einsatz, viel, viel Arbeit, die Winner unter Umständen gar nicht so empfindet. Trotzdem: Bis zum return on investment war es ein langer, lange Weg.

Hier haben wir nun noch nicht von Qualität gesprochen. Damit meine ich nicht, ob es um „hohe Literatur“ oder „nur“ um Unterhaltung geht. Sondern einfach nur darum, ob ich eine halbwegs durchdachte Geschichte mit halbwegs glaubwürdigen Charakteren bekomme, die Sprache vielleicht ein minimaler Gewinn zu meinem Alltagsslang ist, zumindest aber halbwegs den Regeln der Rechtschreibung und Grammatik folgt.

Der Filter, den Verlage mit ihrem Prozedere darstellen, ist nämlich nicht nur zu verdammen. Klar, tolle Geschichten und Innovation bleiben sicher zu oft im trägen System hängen, aber das System sorgt auch dafür, dass sich viele Leute viel Mühe geben gute Geschichten aufzustöbern und im Prozess dann vielleicht sehr, sehr gute daraus zu machen.

Wer an verkrusteten Strukturen festhält, geht unter, ganz klar, das war schon immer so. Und in der Tat sind wir Autoren nicht mehr gefährdet als das vorher der Fall war. Wir sind sowieso die Personifizierung von Gefährdung, was soll uns noch passieren? Wir können eigentlich nix. Außer Wörter neu zu sortieren. Und wir können uns nicht einmal in der Poststelle oder der Registratur unseres kleinen Einmannunternehmens bis zur Pension verstecken.

Nur besteht in meinen Augen eine große Illusion: Dass das Ergebnis der Umbrüche in Diversifizierung, Freiheit, Vielfalt und Unabhängigkeit bestehen wird. Warum sollte das gerade in unserem Weltchen der Worte ausgerechnet so sein.

(Achtung, jetzt kommt der ganz pessimistische Teil!)

Ob „Verlagsautor“, Self Publisher oder Mischwesen, wir landen in einem System weiterer Globalisierung und Konzentration. Sie ist ja schon da, die üblichen Firmennamen mit A und G und F muss man gar nicht nennen. Es bleiben wenige Große, die den Markt beherrschen und sehr schnell die Nischen schließen. Und die 99-Cent-Self-Publisher-Story ist einer der Hebel dazu.

John Locke (einer der US-Self-Publisher-Stars) sagt, die Verlagsstars (mit Büchern um die 10 $) sollten doch mal beweisen, dass sie 10x besser sind als er! Sehr schön, sehr auf den Punkt, sehr frech und herausfordernd! Ein sehr gelungener Vermarktungs-Gag, der sich aber auch wieder wenden wird.

Es wäre blauäugig zu glauben, dass es noch 99-Cent-Angebote gibt, wenn die entsprechenden Plattformen keinen Nutzen (= langfristigen Profit) mehr darin sehen. Und das wird sehr bald der Fall sein. Sobald die Verlage eingesehen haben, dass Kunden nur mitmachen, wenn elektronische Angebote deutlich günstiger und komfortabler sind als Print, wächst der „freie“ Markt zu und das Groschen-Ebook wird das, was auch der Groschenroman war und ist: eines von vielen, eher kleinen Segmenten, das dann aber auch von Profis bedient wird. (Daran übrigens arbeiten die entsprechenden Verlage schon und zwar mit einer sehr gut ausgedachten Umarmungsstrategie.)

Was aber machen wir Autoren und Autorinnen damit? Hm, vielleicht so etwas wie Yoga:

 1)   Ruhig werden, atmen, keine Hektik.

Ich finde die ganzen Ratschläge unerträglich, was Autoren jetzt alles können und tun MÜSSEN. Gar nichts müssen wir. Wer muss müssen? (Wo steht’s? Lessing, gell?)  Mark Twain hat gesagt, Schreiben sei ganz einfach, man müsse nur die falschen Wörter weglassen. (Boah, Achtung, er schießt mit Klassikern!)Das müssen wir. Und für die Profis unter uns liegt gerade darin eines der Pfunde, mit denen wir wuchern können, nämlich konzentriert und ausdauernd neue Welten und Wesen erschaffen (nennt mich Gott, das ist einfacher!), oft über viele, viele Seiten eines dicken Buches, egal ob es in einem hübschen, leichten Kästchen mit du ohne Hintergrundbeleuchtung oder zwischen Deckeln dargeboten wird.
Ha, denken jetzt die Netz-Hektiker, das ist so ein starrer, alter Sack, der das Läuten nicht gehört hat. Falsch. Yoga ist mehr.

2)   Dehnen, beugen, weiter werden.

Vielleicht versuchen wir es doch mal mit der Krähe? Oder dem Pflug? Vielleicht dem Tänzer? Das können die jüngeren Yogis natürlich alles viel besser, weil sie von Natur aus noch beweglicher sind, aber ohne Zweifel müssen wir die scheinbaren Grenzen dehnen, neu definieren und neue Blickwinkel entdecken.  Bei der Krähe steht man nämlich mehr oder minder auf den Händen und sieht die Dinge plötzlich anders.
Die Empfehlung, sich das Social Web zu erarbeiten finde ich deshalb völlig richtig, aber man sollte den Leuten auch sehr deutlich sagen, dass die erste Schritte meistens zur völligen Verwirrung, Entgrenzung und oft auch Enttäuschung führen (können), denn sie sind eben kein Zaubermittel – wie Yoga es auch nicht ist.

3)   Der wichtigste Punkt ist aber, dass Yoga-Praxis sich in der gemeinsamen Energie besonders gut entfaltet.

Analog oder digital, legt eure Matten in einen Raum und übt gemeinsam. Immer noch verkennen viele Autoren den Wert des Teilens. Wir – und damit meine ich die, die das Schreiben auch und vorrangig zu ihrem Beruf und Lebensunterhalt gemacht haben – müssen auch nicht ohne Bezahlung arbeiten und das Netz mit for-free-Angeboten bereichern. Aber wir müssen lernen, dass Vernetzung und auch Solidarisierung, aktive Kommunikation, Erfahrungsaustausch uns in eine sehr viel stärkere Position bringen. Das kann viele Formen haben, viele Ansätze gibt es natürlich schon, aber das Tempo der Entwicklungen wird noch zunehmen.

Es mag sich ein bisschen eingebildet und irgendwie nicht nett anhören, doch bei all dem vergessen wir etwas – und da bin ich wieder bei der Headline („Verlage brauchen Autoren, aber Autoren brauchen nicht mehr zwingend Verlage“) zu Petra van Cronenburgs Interview auf Gesine von Prittwitz’ Blog: Ich bin mag zwar eine kleine Autorenwurst sein, aber ohne meinen „Content“ haben die Verleger nix zu verlegen, die Vermarkter nix zu vermarkten und die Raubkopierer nichts raubzukopieren. Und auch, wenn andere bereitstehen, falls ich mal sage „Spinnste, Alder, nich’ mit mir!“, weiß ich doch, dass es nicht so viele gibt, die können, was meine Kollegen und ich können.

Schrieb’s und schaute in den Sonnenuntergang über den Dächern von Köln. Die Nachbarn haben Rotwein und Tapas, hier läuft was schief …

Nachbemerkung 27.7., 08:11: Ließ es dann doch liegen und guckte noch mal mit einem Morgenkaffee bei ersten Sonnenstrahlen drüber – kann raus, ist okay… J

Nachtrag 28.07., 16:01: Reibt sich die Augen und staunt. Der Beitrag liegt gestern kurz in den Top-100-Posts weltweit und im Moment bei den deutschen WordPress-Blogs auf Rang 13. Die Zahlen sind nicht sehr wichtig, aber ein Indikator dafür, dass es irgendwie einige zu interessieren scheint. Es kommt auch viel Zustimmung via Facebook, aber hier noch wenig Kommentare, Kritik, Korrektur. Ich bin gespannt, wie es weitergeht.

Ergänzungen und interessante Betrachtungen zum Thema (oder vielen Themen, die angeschnitten werden hier:

Interview mit Andreas Eschbach auf literaturcafe.de

Stephan Porombka „Das Lesen und Schreiben wird neu formatiert“ auf buchreport.de und hier bei Litradio.de in einem Radiointerview.

21 Gedanken zu „Warum Autoren jammern dürfen, sich aber nicht beschweren sollten.

  1. Danke Frank! Klasse Blog. Deswegen möchte ich eine Sicht nur ergänzen, die selten auftaucht, eigentlich zwei. Ich war 15 Jahre unverlegt. Das heißt, 1995 selbstverlegt, also: ein Buch, gesetzt, lektoriert, gedruckt (in Slowakei), bezahlt, geholt, geschmuggelt über die Grenze, versucht zu vertreiben (unmöglich in Buchläden), Auflage dann auf Lesungen verkauft. Kurz: ein Riesenaufwand, ein Riesenrisiko.
    Deswegen bin ich froh und glücklich, dass es nun die einfache, günstige, schnellere, legale Möglichkeit der Ebookveröffentlichung und des bereitwilligen Onlinevertriebes gibt – froh für die unverlegten KollegInnen und all die, die wie ich 2-3 unverlegte Geschichten in die Freiheit entlassen können, die einträchtig neben meinen Rowohlt Romanen gelesen werden können.
    Jammere ich? Nein, weil ich mich gut an die 15 Jahre erinnere, wo ich immer nur schreiben konnte, wenn meine Jobs es zuließen, die ich nur antrat, um mir das Schreiben zu finanzieren. Bis heute habe ich auch in keinem Auftrag gearbeitet, arbeiten dürfen. Und das riecht jeder, der mit Büchern zu tun hat – weil: ausgesucht habe ich mir das Schreiben nicht. Das war irgendwie andersherum.

  2. Hey Thorsten, die Möglichkeiten, die das SP nun durch Ebooks bekommt sind eindeutig eine große Chance, für alle, verlegte und unverlegte (übrigens ein netter Doppelsinn!). Was man vielleicht vertiefen müsste, wäre die Frage: Wovon reden wir eigentlich, wenn wir von „Autoren“ sprechen? Und sind die Schubladen, in die wir uns stecken nicht längst muffig oder verzogen und wir wundern uns, dass man sie so schlecht auf und zu bekommt? Self Publisher=Schmuddelkind oder Verlagsautor=guter Autor – das ist ja alles Quatsch … Trotzdem sollten wir aufpassen, dass wir da nicht Äpfel und Birnen vergleichen. Aber das ist ein neues und weiteres Thema…

  3. Autoren müssen jammern. Das fördert die Melancholie, den Stoff, aus dem die meisten ihrer Texte sind…
    Bin ansonsten ganz deiner Meinung, lieber Frank Maria Reifenberg…

  4. Danke Frank, dass du mir bei fb eine Freundschaftsanfrage geschickt hast, sonst hätte ich diesen klugen Text nicht gelesen. Noch eins: Es jammern ja nicht nur Autoren über ihr Metier, sondern – mal mehr, mal weniger – alle, die über längere Zeit einen Job ausüben und deshalb seine Tücken kennen.

    • Ich freue mich, dass wir verbunden sind (das klingt fast romantisch, räusper) … Das ist klar, aber du weißt, was ich sagen will. Es gibt darin ja auch noch viele andere Punkte. Die ganzen Fronten, die nun gebaut werden Verlag gegen dieses, Self Publishing gegen jenes. Und manchmal MUSS man jammern, weil die Alternative wäre eine Scheibe einzuwerfen oder so … :-))

      • Ein bisschen Romantik tut ganz gut, gerade uns – die wir doch trotz aller neuen Entwicklungen immer noch einen recht romantischen Beruf haben.

  5. Es jammern ja nicht nur die Autoren, sondern auch die Verlage bzw. die Verleger. Das haben sie auch immer schon getan, wenigstens um zu erklären, warum die (Autoren-)Honorare nicht höher ausfallen können. Alle brauchen den einen Jahres-Bestseller, um sich die vielen Misserfolge leisten zu können. Und da Texte keine gewöhnlichen Produkte sind – und selbst bei Bohrmaschinen ist der Markt nicht wirklich vorhersehbar – lassen sich Bestseller eben nicht planen. Aber sagen wir doch mal etwas Positives, anstatt immer nur zu jammern: die Autoren schreiben, weil sie es gerne tun – es macht Spaß, sich in der Phantasie derart auszutoben! Und wenn ich mir die VerlegerInnen ansehe, die ich so kenne, was ist mit denen? Denen macht es auch Spaß. Wetten?
    Warum sagt das nur keiner? Vor allem nicht in Deutschland? Ich denke manchmal, das liegt daran, dass wir hier alle Angst vor den schrecklichen Neidern haben, die überall lauern und einem den Spaß nicht gönnen und auch nicht den Stolz auf die geleistete Arbeit. Wir brüsten uns, indem wir wortreich jammern. Und reden uns selbst damit um unser Glücksgefühl. Schluß damit und schnell zurück an den PC! Meine Geschichte wartet und ich will unbedingt herausfinden, was meine Figuren heute noch so an Überraschungen für mich bereit halten.

  6. Vielleicht muss man leiden. Ihr Blog hat mich veranlasst, darüber nachzudenken, wann ich in meinem Leben geschrieben habe. Ehrlich gesagt, immer dann, wenn es mir nicht gut ging. Dann habe ich mir mit dem Schreiben eine bessere Welt als meine aktuelle geschaffen. Sobald alles in Butter ist, legt sich die Kreativität schlafen. Oder das Bedürfnis, in eine andere Haut zu schlüpfen.

    Der Unterschied zwischen einenm Verlagsautor und einem Self-Publisher ist eigentlich ganz einfach zu erklären: Es ist viel einfacher, einem Verlag die Schuld zu geben, wenn das eigene Werk kein Bestseller wird. Veröffentlicht man selbst, dann kommt das Feedback der Leser sehr unmittelbar und ungefiltert auf einen zu. Das muss man aushalten können. Aber als PR-Berater ist man auf Leidensfähigkeit konditioniert,-)

    • Hi Nika, danke für deinen sehr persönlichen Kommentar. Es gibt ja insgesamt sehr, sehr unterschiedliche Beweggründe fürs Schreiben. Ich zum Beispiel kann gar nicht „nur“ dann schreiben, wenn es mir schlecht geht, weil es mein Beruf ist und der muss mehr oder minder konstant „funktionieren“. Zu der Verlag oder SP-Frage: Grundsätzlich muss man natürlich schlichtweg erkennen und akzeptieren, dass sowieso niemand weiß, wovon Verkaufs-Erfolg abhängt, egal, wer Bockmist macht oder einen Superjob.

  7. Irgendwann im Laufe der Urheberrechtsdiskussion habe ich vergessen, dass ich mir das Motto „ich muss nicht müssen“ in meine Autorinnenherz geritzt hatte. Plötzlich fühlte ich mich wie eine Gejagte, hatte das Gefühl, auf einen virtuellen Wagen aufspringen zu müssen – oder der ganze Zug würde ohne mich (ab)fahren. Denn nur eine Autorin, die sich in der (Social Media) Welt von heute zurecht findet, ist eine Autorin, die von den Lesern auch gefunden wird. Und dann sollte ich vielleicht doch endlich einmal schreiben, was der Markt will und nicht, was ich gerne schreiben würde, vielleicht doch mal eine Leserunde anleiern, vielleicht noch dieses und jenes versuchen und dann … und dann … Dabei hatte ich gedacht, diesen Zwangsgefühlen entkommen zu sein!

    Dein Beitrag kommt für mich zum richtigen Zeitpunkt. Er erinnert mich, was ich sein wollte und was ich eigentlich bin. Ich lehne mich zurück, druck mir deine Worte für die Tage aus, an denen ich vergesse, dass es nicht in erster Linie um (Selbst)vermarktung geht, sondern um das SCHREIBEN. Das Schreiben, das ich will, nicht das Schreiben, von dem ich denke ich sollte (damit es auch bestimmt für ein Einkommen reicht).

    Entspannte Sonntagsgrüsse

    Alice

  8. Lieber Frank,
    guter Artikel, der mir aus dem Herzen spricht! Wie du sagst, wir Autoren brauchen diese Symbiose mit den Verlagen, damit wir uns auf unser Hauptgeschäft (Schreiben) konzentrieren können – egal ob im Print oder e-pub Bereich. Darüber hinaus teile ich deine Ansicht, dass mittels Lektor aus einem guten Buch ein sehr gutes entstehen kann – ich möchte diese Hilfestellung nicht missen!
    Schreibende Grüße
    Janet

  9. Pingback: Links der Woche – KW31.12: 100 SEO Erkenntnisse, Jahresabschluss Kleinstkapitalunternehmen, Autoren und Verlage und Stellenangebot › Hubert Mayer

  10. Pingback: Wahrscheinlich wäre Goethe der Erste mit Facebook-Account gewesen. | schreibkraft_fmr

  11. Pingback: Oft verlieren Autorinnen und Autoren selbst ihren Wert aus dem Auge – das finde ich schlimm! | schreibkraft_fmr

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s