Ich mag Köln.

Warum kommt Köln in den überregionalen Medien immer nur vor, wenn wir uns zum Deppen machen, Schauspielintendatinnen vergraulen, Archive einstürzen oder sonst etwas Bescheuertes passiert? Heute Morgen in der Süddeutschen Zeitung: „Bedrohte Schlangen – Das klamme Köln blamiert sich mit einer Steuer-Idee“ Zack, Boing – auf der Titelseite! Die Kölner Stadtverwaltung will – angeblich – Steuern auf die Warteschlangen vor den Discos auf den Kölner Ringen (Hohenzollernring usw.) erheben.

Zugegeben, die Idee IST schwachsinnig, aber irgendwie macht mich das traurig. Nicht die Idee, über so etwas lächeln wir und lassen ein bisschen Wasser den Rhein runter fließen. Die Reaktionen darauf! Eine der wichtigsten deutschen Zeitungen, zudem meine Lieblings-Tageszeitung spießt es auf und ich denke: Es gibt so wenig, wo wir mal ganz nach vorne rücken und keiner lacht. Natürlich könnten wir Kölnerinnen und Kölner uns in der ein oder anderen Sache mehr Mühe geben. Wir lassen unsere Stadt verschmuddeln, bauen seit der Fertigstellung des Doms recht selten ein schönes Gebäude, oft kippt die Lässigkeit in Nachlässigkeit um, die Großzügigkeit in Beliebigkeit.

Aber immer wenn, ich aus … sagen wir mal München (dort arbeite ich dreimal im Jahr für zwei Wochen), also immer wenn ich aus München (oder anderen Orten) zurückkomme, atme ich auf. Ja, ich spüre, wie mich diese Stadt aufatmen lässt, wie es mir um die Brust – Herz oder Lunge? Ich weiß es nicht! – weiter und leichter wird.

Es ist fast immer am späten Freitagabend, ich wohne direkt am Rudolfplatz, der sogenannte Mopp tobt, den Ring rauf und den Ring runter. Das sind kaum Kölner, die Ringe sind hier die Wochenend-Partymeile, aber trotzdem spüre ich schon nach wenigen Augenblicken, wie bunt diese Stadt ist, wie viel sie zulässt, wie klassenlos sie ist.

Angeblich liegt das daran, dass wir schon so frühzeitig die Kurfürsten verjagt haben. Andere sagen, das sei gleichzeitig der Grund dafür, warum das stolze Köln des Mittelalters nie mehr ganz nach oben gekommen ist. Uns habe dann halt die Residenz gefehlt, ein bisschen Absolutismus wäre vielleicht gut gewesen und nicht dieses Gaffel-Geklüngel, das natürlich nie auch nur annähernd demokratisch war.

Aber vielleicht sind wir auch eher in den kleinen Dingen großartig oder zumindest liebenswert. Ich gründe jetzt eine Facebook-Seite. Köln von unten. Oder: Köln wie es keiner kennt. Oder einfach: Ich mag Köln. Wir müssen es nicht gleich lieben, wir müssen auch nicht stolz darauf sein. Es reicht, wenn wir es mögen und das zeigen. Auf der Seite soll jeder seine kleinen Geschichten und Erlebnisse und Bilder von dem Köln, das er mag, zeigen. Und das ist dann immer auf der Titelseite, überregional, weltweit, für ein paar hundert Millionen. Macht mit, wenn ihr KölnerInnen seid!

Facebook-Fanseite: Ich mag Köln.

Ein Gedanke zu „Ich mag Köln.

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