Königsvögel, Bahnhofstoiletten und eine russische Pistole.

Schreiben macht eine Menge Arbeit, manchmal bringt es einen fast um den Verstand, aber eines ist sicher: Man lernt. Ständig. Du kannst dich gar nicht dagegen wehren. Kaum tut sich ein neues Thema auf, zack, schleppt es dir noch ein paar Kumpel an, manchmal auch ungeliebte Verwandte oder Wildfremde und die sind natürlich auch nicht allein auf der Welt und dann kommt das Stöckchen und das Hölzchen. Google und Wikipedia vereinfachen natürlich die Recherche, für den vielseitig Interessierten entwickeln sie sich aber zu wahren Abgründen.
Letzte Woche habe ich mich zum Beispiel ausgiebig mit dem Naturpark Unteres Odertal beschäftigt, der Kritik am Bahnhof Angermünde (keine Toiletten) und mit der Korowin TK, die ab 1926 gebaut und an gehobene Dienstränge der Roten Armee ausgegeben wurde (ohne offiziell zur Ausrüstung zu gehören). Aufgrund des wenig hervortretenden Hahnspornes kann sie auch gut verdeckt getragen werden. Interessant. Und hilfreich. Passt in die Geschichte. Die Co-Autorin hat es aber schon gestrichen. Unser Held Otto soll nicht so ein Ding klauen.

Königsvogel – für das Schießen mit KK-Waffen (626475)
Schussfestigkeit ca. 700 Schuss. Flügelspanne 100 cm, Höhe 60 cm.

Heute begeisterte mich die Welt der Schützenfeste und was man alles für ein gutes Schützenfest braucht, ganz vorne ist da der Königsvogel. Auf den wird geschossen. Meistens ist er aus Holz. Man stellt ihn sich am besten wie einen  Bundesadler vor, nur bunter und mit eine bisschen Tralala dran. Und mit einer Krone, klar. (Vielleicht ist das mit dem republikanischen Bundesadler dann doch der falsche Vergleich.)

Als Kind habe ich Schützenfeste in unserem Dorf erlebt. Hätte ich doch damals schon gewusst, dass sie eines Tages eine Rolle in einer Geschichte spielen würden und mir Notizen gemacht! Ich weiß nur noch, dass zwischen dem eigentlich Schießen – bei dem am Ende feststeht, wer der Schützenkönig ist –  und der großen Sause am Sonntag darauf im Dorf die Hölle los war. Besonders beim Frisör, weil die Damen des Hofstaats natürlich alle flott aufgemöbelt werden mussten. Aufm Kopf.Beim Umzug trugen dann alle lange Kleider, Blumen im Arm und eine Stola, auf dem Kopf die aufgetuffte Frisur, am Arm den Gatten, wahlweise im schwarzen Anzug (nicht so gut) oder in der Schützenuniform (sehr gut). Mein Vater schoss grundsätzlich nicht gerne auf irgendetwas und ist ein sogenannter „weißer Jahrgang“, sprich er hatte Glück, musste weder als „Kanonenfutter für Adolf“ herhalten (O-Ton) noch in die neue Bundeswehr. Auch auf Holzvögel wollte er nie ballern. Also schwarzer Anzug. In den Hofstaat kam er genau einmal, weil ein Kumpel Schützenkönig wurde.

Mutti, wenn du das liest, verzeihe mir, aber es ist so: Es gibt Bilder von dir, da siehst du aus wie Marlene Dietrich, ich schwöre. Nur nicht auf den Bildern mit dir im Hofstaat. Irgendwas muss da beim Frisör schiefgegangen sein, na ja, wie soll der auch gefühlte 87 Dauerwellen mit Turbotuff und Föninferno in den paar Tagen hinkriegen?

Viel hat sich in den letzten fünfzig Jahren nicht geändert, schützenfestmäßig.  Und das ist auch gut so, zumindest, was die Königsvögel betrifft. Es gibt zwei grundlegend unterschiedliche Konzepte: den Vogel Marke Eigenbau und den Versandhandel-Vogel.

Auf www.schuetzenwelt.de kann man zum Beispiel diesen Vogel bestellen: Königsvogel – für das Schießen mit KK-Waffen, Schussfestigkeit ca. 700 Schuss. Flügelspanne 100 cm, Höhe 60 cm.

Die Schussfestigkeit ist natürlich sehr wichtig. Es wäre doch zu blöd, wenn der größte Schießdepp schon mit dem sechzehnten Schuss den Vogel abschießt. Das muss schon ein bisschen dauern, klar. Jetzt kommt aber der Oberhammer, gar nicht im Kleingedruckten, sondern direkt unter der Artikelbeschreibung steht: Dieser Königsvogel kann nach Belieben in den Flügeln geschwächt werden, damit eine zeitlich gewünschte Schussfestigkeit erreicht wird. Das ist doch der öffentliche Aufruf zum Schummeln! Schützen aller Länder, das kann doch nicht sein. Wie sollen wir denn noch an … an … an irgendetwas glauben, wenn ihr die Königsvögel ein bisschen an den Flügeln ansägt? Und warum? Irgendwer wird doch die Schüsse 552 bis 700 abfeuern und das Ding runterholen! Mein Entschluss steht jedenfalls fest. Der Vogel in meinem Drehbuch „Herr Krause hat Angst“ wird von Hand gebaut. Vielleicht wird es ein leicht kubistischer Vogel. Mal sehen.

Wie auch immer, ich habe wieder etwas gelernt. Über Königsvögel, über die Menschen und … und … Moment! Ich muss noch nachschauen, was eigentlich KK-Waffen sind. Man lernt wirklich nie aus.

2 Gedanken zu „Königsvögel, Bahnhofstoiletten und eine russische Pistole.

  1. Hallo Frank,

    ich bin seit einiger Zeit öfter auf Deiner Seite und möchte an dieser Stelle einmal ausdrücken, dass mir Dein Blog sehr symphatisch ist. Er ist bunt gemischt, vielseitig und immer nett zu lesen.

    Was mir auffällt… es gibt (auch) nicht so viel Kommentatoren… „Auch“ deshalb, weil ich das von meinem Blog kenne, der allerdings noch nicht so lange existiert. Ich stöbere manchmal durch Blogs, die täglich bzw. bei jedem Eintrag mindestens eine handvoll Kommentare, aber auch weit, weit darüber verzeichnen. Wie empfindest Du dieses Thema für Dich?

    Ich werde jedenfalls weiter bei Dir vorbeischauen und das eine oder andere Mal auch kommentieren?!

    Liebe Grüße
    Tine

    • Hi Tine, vielen Dank für deine Nachricht. Ich freue mich, dass es dir gefällt, was tu und schreibe. Der Blog ist ja noch ganz frisch, ich habe erst vor gut sechs Wochen damit begonnen. Bis tatsächlich ein echter Austausch entsteht, kann bei Blogs eine lange Zeit vergehen, erst einmal musst du schon zufrieden sein, wenn jemand überhaupt etwas LIEST, besonders, wenn es längere Texte sind. Obwohl mittlerweile natürlich viele Leute im Social Web unterwegs sind, ist diese Kultur des Dialogs hier auch weitaus weniger ausgeprägt als z.B. in den USA. Unter amerikanischen Blogs findest du ja oft auch einfach nur „Good blog!“, „excellent“ usw. Ich glaube, da sind wir hier doch noch ein bisschen anders. Die Leserschaft baut man sich halt nur sehr langsam auf. Andere Faktoren spielen allerdings auch eine Rolle: Verlinken dich andere, beziehen sie sich auf dich, rebloggen sie deine Beiträge (das kannst du über WordPress ja auch sehr einfach).
      Wenn ein Blog ein sehr klares Profil hat, die Leute also recht genau wissen, was sie dort erwartet, welche Themen usw., dann steigt irgendwann der Traffic und auch die Diskussion. Ich probiere das jetzt eine gewisse Zeit aus und dann schaue ich weiter. Für Autoren ist es auch als Fingerübung gut. Ich z.B. entdecke da stilistisch ganz andere Seiten an mir und es kommen auch neue Idee, wie zum Beispiel das „Botschaften“-Projekt. Also, komm gerne, schau und kommentiere!:-)
      LG Frank

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