Autoren, die nur auf Amazon verlinken, dürfen nicht lesen?

Autoren, die auf ihrer Homepage ausschließlich auf Amazon verlinken und nicht auf den lokalen Buchhandel, sollten nicht mehr zu Lesungen eingeladen werden, fordert eine Buchhändlerin auf Facebook. Die Buchhandels-Kolleginnen und -Kollegen dort steigen in die Diskussion ein, ohne dass sich daraus eine eindeutige Tendenz des Threads ergibt. Einige stimmen zu, andere bemühen sich zu differenzieren. Ein Autor  versucht die Kollegen in Schutz zu nehmen, die Kommentare bewegen sich – wie immer auf Facebook – schnell vom ursprüngliche Thema weg und landen beim allgemeinen und ermüdenden Amazon- und Buchhandelsketten-Bashing. Später wird dann wenigstens ansatzweise diskutiert, woran es denn liegen könnte und was der Buchhandel – im Online-Bereich – dagegen setzen könnte. Und dann verläuft es im Sande. Ich sitze davor und schwanke zwischen Unglauben, Verzweiflung und Ärger.

Unglauben – Onlinehändler bevor es online gab

Zunächst muss sich doch der deutsche Buchhandel fragen, wie es dazu gekommen ist, dass ein amerikanischer Konzern auf dem besten Weg ist, eine ganze Branche abzuhängen. Ich habe vor 30 Jahren eine Ausbildung zum Buchhändler gemacht. Schon damals besorgte jeder Laden die meisten Bücher von einem Tag auf den nächsten, anfangs per Zettelwirtschaft, dann über ein Eingabegerät und bald auch übers Internet. Buchhandlungen konnten also das, was Amazon kann, schon lange bevor jemand auch nur an Online-Handel dachte.

Warum wurde dieser Vorsprung nicht  gehalten oder sogar ausgebaut? Warum wurde nicht ein bundesweites System entwickelt, mit dem die Kundschaft wenigstens halbwegs gehalten werden kann. Über buchhandel.de gibt es zwar einen Versuch, der ist jedoch so unausgegoren, dass er natürlich mit einem weitgehend gut funktionierenden Internetshop wie Amazon nicht mithalten kann. Gut, das Pfund, mit dem der stationäre Buchhandel wuchert, sind die individuelle Beratung, die persönliche Anbindung, die kuschelige Nostalgie. Wenn Kunden dies jedoch Scharenweise nicht mehr nutzen, muss ich mich als Teil eines Marktes darauf einstellen.

Verzweiflung – sogar die Sardinen machen es besser

Verzweiflung kommt auf, wenn ich sehe, dass mit einer solchen Haltung ausgerechnet das zweitschwächste auf das schwächste Glied der „Nahrungskette“ einschlägt. Sollten wir uns nicht besser zusammentun und gemeinsam nach zukunftsweisenden Lösungen suchen?

Schauen wir uns die Sardinen an: Die sind in ihren faszinierenden Schwärmen dann halbwegs sicher, wenn sie zusammenbleiben und in gewaltigen Pulks durchs Meerfloaten. Ein paar Schwache am Rand trifft es, klar, aber richtig zur Sache geht es erst, wenn Delfine sich daran machen, den Schwarm auseinanderzubringen, in kleine gut konsumierbare Häppchen zu teilen.

Es ist doch kaum zu verstehen, dass eine kleine lokale Buchhandlung (ich hoffe, dass die Meinung der Münchnerin nicht allzu viele teilen) einen solchen Boykott-Hammer gegen noch kleinere Einheiten, nämlich den einzelkämpfenden Autor, schwingt. Und es ist zum Verzweifeln, wenn die ganze Diskussion sich an der Frage abkämpft, ob und in welcher Form die Multis Ausbeuter sind, ob sie in Deutschland Steuern zahlen oder ob in den Buchhandelsketten sowieso nur Buchhändler zweiter Klasse arbeiten und und und.

Ärger – nicht Qualität, sondern ein Link entscheidet.

Der Ärger schleicht sich in dieser Frage ganz langsam an: Für diese Buchhändlerin stehen also nicht mehr die Qualität eines Autors und das Interesse der Kundschaft an einer persönlichen Begegnung im Vordergrund, sondern die Frage, ob er den richtigen Link gesetzt hat. Das ist Herrschaftsgebaren und es ist auch noch ein wenig lächerlich. Ich glaube kaum, dass ein paar Links von ein paar Autoren über die Zukunft des Buchhandels entscheiden! Genau solche Denke trägt jedoch dazu bei, dass sich eine Branche selbst dem Untergang weiht – was ich außerordentlich bedauern würde. Und ich würde sofort mitmachen, wenn es eine Lese-Aktion zugunsten des lokalen Buchhandels gäbe – for free und mit ganzem Herzen.

Hoffnung – vielfältig und mündig

Ich bin nicht nur Autor, sondern auch ganz normaler Kunde. Ich stöbere gerne in Buchhandlungen, ich bestelle online, ich lese E-Books auf dem Reader und dicke Bücher. Manchmal kaufe ich in Kettenbuchhandlungen, manchmal in kleinen. Ich will, dass es Buchhandlungen gibt und ich weiß, was ich an guten Buchhändlern habe. Es ist richtig, dass wir Autorinnen und Autoren auch auf den lokalen Buchhandel hinweisen sollten, grundsätzlich sind Vielfalt und die Möglichkeit auszuwählen nämlich hohe Güter.

Und es hätte mich sehr gefreut, wenn die Buchhändlerin mein Angebot, ihren Appell als Gastbeitrag hier in meinem Blog zu veröffentlichen, angenommen hätte. Zu meinem Netzwerk gehören viele Autorinnen und Autoren, einige haben vielleicht noch gar nicht richtig über diese Frage nachgedacht und würden auf ihrer Homepage auch auf den lokalen Buchhandel hinweisen. Erst nach mehrmaliger Aufforderung bekam ich überhaupt eine Antwort, die mich dann so richtig umhaute: Dazu habe man keine Zeit und eigentliche kümmre man sich um solche Branchensachen gar nicht, mehr als ein bisschen im Börsenblatt blättern sei nicht drin. Und eigentlich habe man es ja gar nicht so gemeint. Da sag ich doch: Dann lieber demnächst keine unbedachten Statusmeldungen posten!

NACHTRAG um 22:07 Uhr: Mann, das war jetzt aber ein bewegter Tag mit vielen Reaktionen auf Facebook, Twitter und hier, auch sehr erbitterte und böse. Zwei sehr schöne gab’s auch: Kollege Thorsten Nesch ist die Sache konstruktiv angegangen und einen „support local bookstores“-Button gebastelt und zum download freigegeben, ich benutze den nun auch hier und auf meiner Homepage. Die Buchhandlung dahinter wird immer wechseln. Und die Buchhändlerin, die den Artikel auslöste, wird sich mit mir im Januar treffen und wir werden das Interview führen und vielleicht ein paar Steine aus dem Weg räumen. Danke an beide!

20 Gedanken zu „Autoren, die nur auf Amazon verlinken, dürfen nicht lesen?

  1. Ich verfolgte die genannte Diskussion bei FB gestern im Überflug und der mitunter sehr zänkische, kleinliche Ton stieß mir auch übel auf. Zumal ich behaupten möchte, dass dieser Entschluß, Autoren mit Amazon-Verlinkungen nicht mehr einzuladen, ins Wanken geriete, sobald der „richtige“ Autor anklopfte. Der, den man schon immer da haben wollte, der, mit dem der Laden mal richtig voll würde.

  2. Pingback: Schreibblockade.com | Boykott von Autoren, die nur auf amazon verweisen?

  3. Ich verstehe die Haltung des Buchhandels nicht. Was hat der Buchinhalt mit der Verlinkung zu tun? Eigentlich nur traurig, dass mit solch einem Argument einem Autoren abgesagt bzw. dieser gar nicht erst eingeladen wird.
    Wir als Bücherei nutzen jedenfalls alles, was es gibt, um an unsere medien zu gelangen, Buchhandel, Online-Händler etc.

    • Es ist einfach sehr kurzsichtig und nicht durchdacht. Natürlich fehlt es in diesem Bereich vielleicht auch an der Fähigkeit zumindest national zu denken (sprich: gemeinschaftliche Konzepte zu entwickeln) und lokal zu handeln …

  4. Ist nicht gerade die Autorenlesung, der Event, das wirkliche Alleinstellungsmerkmal des lokalen Buchhandels? Das möchte ich mal sehr ketzerisch fragen. Denn die immer so hoch gelobte “persönliche Beratung” kann, wenn man wirklich mal GANZ ehrlich ist, der Algorithmus von Amazon auch nicht sooo schlecht. Wenn das aber so ist, dann müssten Buchhändler sich noch viel mehr um dieses Thema kümmern und nicht etwa weniger.

    • Das ist ein ziemlich berechtigter Einwand. Trotzdem, finde auch ich, dass wir bunten, lokalen und kleinen Buchhandel brauchen. Eine solche Boykottdrohung ist allerdings sicher kein hilfreiches Mittel.

    • Vielleicht geht es nicht so sehr um Zustimmung und/oder Ablehnung. Für mich als Verbraucher geht es sehr um: Wo sind die Lösungen, die beides ermöglichen. Stöbern, quatschen, Bücher kaufen sowie gucken, klicken, Bücher kaufen.

  5. Und das schlimme ist: die Branche hat doch jahrenlang sich die Zeit genommen, tatenlos zu zu sehen. Und im Bereich eBook schaut sich immer noch. Man kann ja mal aus Spaß in einen Buchladen seiner Wahl gehen, und ich gehe da gerne hin, und mit einem Buch zur Kasse gehen und sagen: das hätte ich gerne als eAusgabe hier gekauft.

    Es ist ja nicht so, das Amazon jahrelang der Buchbranche den Miteinstieg in diesen Vertriebsweg verboten hätte. Oder das gezielte heraus streichen der Vorteile des stationären Handels. Bei jedem döseligem Fotobuch kann ich am heimischem PC vor der Internetbestellung einstellen, in welcher Filiale welcher Drogeriekette ich das Produkt dann holen und bezahlen kann. Um dann gleichzeitig dort noch andere Dinge zu kaufen und das Geld vor Ort zu lassen..

  6. Jetzt mal nicht im stillen Kämmerlein bei Facebook sondern hier im Blog…

    @ chräcker: zumindest bei uns (Osiander), bei Schiller in Stgt, Stöppel in Bayern (!) und vielen anderen unabhängigen Buchhandlungen ist es kein Problem Ebooks ebooks zu kaufen, mit den Readern zu spielen und auch der nicht so Internetaffine kriegt alles genau erklärt…
    Bestellen kann man bei uns seit 1996 online und bei den genannten Kollegen auch. Zum Versand und zur Abholung etc etc…und man fast jeder Kunde ist überrascht, dass wir schnarchzapfen sowas haben… Da packt einen halt auch mal der Amazonrappel und dann muss es der Facebook-Status ausbaden bzw. der nächstbeste poster.. So wie wir halt den Zorn der Autoren jetzt.-)
    Dass das, was der Börsenverein fabriziert eher nicht der Weisheit letzter Schluss ist… Das ist ja klar.

    Zu den Verlinkungen:
    Von den Links geht der Buchhandel nicht unter und es gibt ja auch gar keine andere Moglichkeit für die Autoren (wobei mir die Schwierigkeiten im einzelnen jetzt auch nicht so bewusst waren)?

    Aber zusammen sollte es doch immer noch am besten klappen?

    • Hi Andreas, das uns alle mal der Frust, mal Zorn und mal die Verzweiflung bei diesem Thema erfasst ist doch klar. Besonders, weil wir (wie alle anderen auch) uns recht potenten „Mächten“ gegenübersehen, die wir kaum noch kontrollieren können – auch außerhalb des Buchhandels. Um aber eine eigene, wenn möglich gemeinsame Position zu finden, muss man solche Konflikte auch austragen. Und dann zum gemeinsamen Weg finden, dazu dient der Artikel und daran werde ich auch weiter arbeiten. Kollege Thorsten Nesch hat z.B. prompt diesen Button SUPPORT LOCAL BOOKSTORES entworfen und ich werde weiterhin hier Buchhandlungen eine Plattform bieten mit den Buchtipps oder in Artikeln. Ich war witzigerweise genau in der Woche in einer sehr schönen MÜNCHENER Buchhandlung und habe ein Interview geführt, das Portrait erscheint demnächst hier. Vielleicht finden sich auch im Buchhandel jetzt ein paar Leute, die eine Buy Local-Kampagne auf die Beine stellen? LG F.

  7. Die Buy Local Kampagne ist gerade im Entstehen: http://www.buylocal.de/.
    Mich ärgert es übrigens auch, wenn immer von „dem Buchhandel“ gesprochen wird. Das ist nämlich genau das Problem: „Den Buchhandel“ gibt es nicht. Es gibt große und kleine Buchhandlungen, engagierte und weniger engagierte, große und kleine Ketten. Und es gibt den Online Buchhandel. Alle haben unterschiedliche Profile und die alle unter einem Hut zu bringen ist nicht möglich.
    Auf jeden Fall hat die Buchbranche über eine viel zu lange Zeit das Internet mit seinen Möglichkeiten und vor allem amazon völlig falsch eingeschätzt, unterschätzt. Das rächt sich nun: Der unabhängige Buchhandel ist im E-Commerce abhängig von den Angeboten der Großhändler, die keine Affiliate-Programme anbieten oder er ist angewiesen auf buchhandel.de, eine erwiesen unbefriedigende Lösung. Für eigene E-Commercelösungen haben Unternehmen wie Osiander, die Mayersche oder andere Großbuchhandlungen die wirtschaftlichen Möglichkeiten, die kleinen Buchhandlungen nicht. Also können AutorInnen eigentlich gar nirgends hinverlinken – außer zu amazon.
    Der beschriebene Konflikt entzündete sich jedoch an der Frage der vielen Lesungsanfragen bzw. -angebote, die wir in den Buchhandlungen bekommen. Daß man sich da anschaut, wer das eigentlich ist und daß es einer aufstößt, daß zu amazon verlinkt wird, ist nachvollziehbar, auch wenn es kein Entscheidungskriterium sein sollte. Irgendwie ist es doch nicht verwunderlich, daß wir für Lesungen gut sind, aber für Verlinkung nicht – das sage ich jetzt mit Absicht provokant.
    Das Thema Lesungen ist nämlich nicht immer der Heilsbringer, als der es gerne gepriesen wird. In ganz vielen Fällen stehen die Kosten und er Aufwand in keinem Verhältnis zur Wirkung und dem wirtschaftlichen Erfolg und das immer nur unter „Werbung“ zu buchen, das geht irgendwann nicht mehr. Das wird natürlich nicht gern gehört, aber das ist einer der Gründe, warum es AutorInnen mit Lesungen oft schwer haben im unabhängigen Buchhandel.
    Mich hat an der Facebook-Diskussion, wie den Autor auch, das immer gleiche bashing gestört, mich hat aber auch gestört, daß die AutorInnen kaum Ideen entwickelt haben, wie sie vielleicht den Buchhandel auf andere Weise einbinden könnten. Da finde ich den Button eine prima Idee!
    Eine andere Idee, die ich eingebracht habe ist die, daß sich AutorInnen auch überlegen könnten, z.B. auf die Buchhandlungen, in denen sie schon gelesen haben oder auf Buchhandlungen zu verlinken, von denen sie wissen, daß sie sich für ihre Bücher besonders einsetzen (das geht natürlich nicht für BestellerautorInnen, das würde zuviel Lebenszeit in Anspruch nehmen). Vielleicht aber auch ganz einfach auf Buchhandlungen, die ihnen positiv aufgeafllen sind beim Stöbern während ihrer Lesereisen. Die LeserInnen oder Fans finden solche Hinweise vielleicht wertvoll und – das finde ich sehr wichtig – sie nehmen dann vielleicht wahr, das amazon nicht unbedingt der Weisheit letzter Schluss sein muss. Und da können AutorInnen schon was bewirken.
    Auf jeden Fall finde ich, daß wir uns mehr um gegenseitiges Verständnis bemühen sollten – wir für die AutorInnen, diese aber umgekehrt auch für „den Buchhandel“!

    • Hallo Susanne,
      vielen Dank für den ausführlichen Kommentar! Ich hoffe ja sehr, dass sich die Diskussion in dieser Form – mit Schwung und Bauch, aber auch mit Bedacht und Ideen – fortsetzt. Wenn man es am Ende im Online-Bereich auf den Punkt bringt, bleiben wahrscheinlich sowieso nur wirtschaftlich unbefriedigende Lösungen. Dieses Geschäft ist von Natur aus nicht „local“ und der Zug ist auch abgefahren, dafür lässt sich auch in dieser Branche (wie in anderen auch) aus den vielen kleineren Einheiten jetzt wahrscheinlich auch nicht mehr viel zusammenbasteln. Eine bedachte und differenzierte Buy Local-Kampagne wäre aber so oder so wichtig. Wir AutorInnen gucken da ja genauso oft nur bis zum eigenen Nabel, ganz klar. Ich versuche das z.B. in nächster Zeit mit Portraits von Buchhandlungen, den Auftakt wird eine kleine Buchhandlung in München machen. Das ist allerdings – genau wie die Reihe „4 Bücher für 4 Jungs“ sehr viel Arbeit und natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Aber viele Tropfen … 🙂
      LG Frank

  8. Ich melde mich mal als interessierter Konsument. Durch meinen Buchblog habe ich Kontakt zu Autoren bekommen und da gab es eine Anfrage wegen einer Lesung im Raum München. Wasserburg liegt nicht so weit weg und ich habe im Namen der Autorin in unseren Buchhandlungen mal angefragt.
    Das waren die Antworten:
    Buchhandlung 1 – wir veranstalten generell keine Lesungen
    Buchhandlung 2 – Ich habe meine 2 Lesungen im Jahr und die machen eh schon zu viel Arbeit
    Buchhandlung 3 – Lesung? Ich weiß nicht wie das geht. Ach darüber berichten. ja gut – aber dann auf Amazon verlinken?

    Das zum Thema lokaler Buchhandel. Wenn man nun noch die Diskussion um das Recht ein Buchcover im Blog einzubinden verfolgt, dann bleibt oft genug aus rechtlichen Gründen ein Link zu Amazon, da man sich sonst auf sehr sehr dünnen Eis bewegt.

    Auch zum Thema Information und Bereatung:
    Sutton-Verlag bei uns vor Ort unbekannt. Auch wenn man darauf hinweist und direkt nachfragt – gibt es weder Hilfe noch irgendwelche Bestellmöglichkeiten, wenn man nicht genau weiß was man will.
    Auch wenn das Buch am nächsten Tag da ist – entweder habe ich Kosten um zum Buchhandel zu kommen, oder er sendet mir das Buch nach Hause gegen Erstattung des Portos – Sorry – da kaufe ich als Kunde bei Amazon, denn da kommt das Buch versandkostenfrei.

    Durch solche Taktiken und Benehmen stellt sich der lokale Buchhandel selbst ins Aus – zumindest hier vor Ort, dabei liebe ich Buchhandlungen……

    LG Mella

    • Hallo Mella, vielen DAnk für deinen Kommentar. BEi solchen Diskussionen sitzen wir Branchenmenschen uns ja gerne mal im eigenen Saft, des halb finde ich es sehr wichtig, zu dieser Sache auch etwas aus der „Verbraucher“-Sicht zu hören! LG Frank

  9. Ich glaube nicht, dass es heute noch AutorInnen gibt, zumindest nicht im Internet, die vor und sogar nach einer Lesung nicht automatisch Werbung für die betreffende Buchhandlung machen. Die KollegInnen, die ich kenne, kündigen zumindest auf der Website, wenn nicht sogar überall in Social Media so eine Lesung mehrfach an, mit Adresse und Link. Nachberichte mit Fotos sind keine Seltenheit. Und wenn der Link fehlt, liegt es in den meisten Fällen schlicht daran, dass die Buchhandlung gar keine Website betreibt! Viele AutorInnen bieten via Buchhandlung einen Signierservice an und stellen das auch ins Netz. Wo sind denn all die bösen Autoren, die das unterlassen? Die zu Lesungen gehen und das verschweigen?

    Desgleichen geben wir uns gegenseitig unter der Hand Tipps, welche Buchhandlung ihre Sache gut macht, den schönsten Buchbestand hat, die größten fachlichen Kompetenzen, welche ihre Kunden am besten behandelt und Autoren (!) und Bücher wertschätzt (und das Gegenteil erzählen wir uns natürlich auch). Das wiederum ist öffentlich nicht möglich, nicht in dieser Branche.

    Ich habe z.B. eine Aktion laufen: Buchhändler, die mir ein Foto mit meinen Büchern in ihrem Laden schicken, werden mit diesem Foto, Link, Adresse und ein paar Worten in meinem Blog, auf FB und bei Twitter präsentiert – und weil dann eh meist ein persönlicher Kontakt entsteht, mit ihren eigenen Inhalten öfter weitertransportiert. Und ganz genau aus dem gleichen Grund verlinke ich Amazon *dauerhaft*: Die haben nämlich meine Bücher grundsätzlich und jederzeit im Regal. Ich denke, das ist ein gerechter Weg, die besonders herauszustellen, die aktiv etwas für mich als Autorin tun.

  10. Als Autorin, Verlegerin und Leserin schüttele ich den Kopf über soviel Dummheit. Was ist denn heutzutage bei dieser Bücherflut die Hauptquelle der Informationen für den Leser? Amazon. Auch ich gehe dorthin, lese die Bewertungen, bevor ich das Buch dann meist in meiner lokalen Buchhandlung bestelle (weil die, wie schon angemerkt, genauso schnell oder noch schneller liefert als Amazon.)
    Der Buchhandel kann doch gerade mit so etwas wie Lesungen punkten. Das kann Amazon nämlich nicht. Und wenn dann noch die Webseite meines Buchhändlers mehr wäre als eine Visitenkarte, und ich dort auch Bücher einkaufen könnte (inklusive ebooks), ich würde es sofort tun. Leider, leider bietet er das noch nicht. Wo also werde ich demzufolge vorerst meine ebooks einkaufen? Raten Sie mal!

  11. @Charlotte Erpenbeck (und alle anderen): Solche Kunden wie Sie wünsche ich mir! Bin Buchhändlerin eines regionalen Filialisten und was uns einfach so traurig und wütend macht, sind die Kunden, die das genaue Gegenteil von Ihnen machen: Lassen sich in der Buchhandlung beraten, man recherchiert, bibliografiert, findet das passende Buch und das einzige, was der Kunde dann sagt, ist: „Können Sie mir das bitte ausdrucken, ich bestell es dann online.“ Und damit meint der Kunde nicht „online über den Internetshop unserer Buchhandlung, der übrigens genauso portofreie Lieferung anbietet wie das böse A.“ (den wir natürlich in solchen Fällen dann immer bewerben) sondern „online über Amazon“. Man investiert Zeit, man investiert Geld (der Mitarbeiter, der den Kunden berät, wird ja schließlich für diese Zeit bezahlt) und was springt dabei raus? Nichts. Wir machen doch die Kundenberatungen (so gerne wir sie machen, keine Frage!!! Wir Buchhändler lieben doch genau deswegen unseren Beruf!) doch auch nicht aus Jux und Dollerei…Buchhandlungen sind trotzdem wirtschaftliche Unternehmen und es ist einfach unwirtschaftlich, wenn man Zeit und Geld in etwas investiert, wenn am Ende nichts dabei herausspringt… Noch ein schönes Beispiel: Man berät einen Kunden ausführlich, es findet sich ein Roman, den der Kunde haben will und man will schon mit ihm zur Kasse gehen, da kommt plötzlich: „Danke für die Beratung, aber ich lade es mir dann auf den Kindle.“ Dabei kann man über unseren hauseigenen Internetshop auch eBooks kaufen. Aber halt keine Kindle-Versionen. Und da kommt dann der nächste Kunde ins Spiel, der mir freudestrahlend am Telefon berichtet, er habe sich jetzt einen Kindle gekauft und wie er denn jetzt über uns damit Bücher bestellen kann. Ich erkläre ihm, dass der Kindle nur die Amazon-e-books unterstützt. Über unseren hauseigenen e-book-shop bekommt man nur e-books im epub-Format. Dann meint der Kunde, das sei aber sehr schade, da hätte er sich wohl vorher besser informieren müssen, dass man dann nur e-books von Amazon draufladen kann… Tja, wäre er zu uns gekommen und hätte sich bei uns im Laden einen Sony Reader angeschaut, den wir vorrätig haben und den man auch bei uns im Laden ausprobieren kann, dann hätte ich ihm den verkauft und seine e-books hätte er dann über unseren eigenen Shop kaufen können, so wie er das eigentlich geplant hatte…
    Es ist nicht so, dass sich der Buchhandel den Neuerungen verschließt; zumindest nicht dort, wo ich arbeite. Buchhandlungen die immer noch keinen eigenen Onlineshop haben, und sich dann beschweren, sind selbst schuld, finde ich. Es ist leider einfach so, dass unsere Serviceleistungen, die denen von Amazon zumindest nicht unähnlich sind (auf Bücher bezogen), von vielen Kunden nicht angenommen werden, weil Amazon einfach zu präsent ist! Deswegen reagieren wir Buchhändler darauf einfach manchmal allergisch!
    Und deswegen ist mir persönlich jede Amazon-Verlinkung weniger im großen, weiten, world wide web recht!

  12. Aus der Sicht des Buchhandels: Verlage und Autoren, die aus eigenem Antrieb für Amazon werben, stehen auf der anderen Seite. Niemand muss sie zu Autorenlesungen einladen, und niemand muss ihnen einen Platz im Schaufenster zur Verfügung stellen. Vorsicht ist auch geboten gegenüber Verlagen, die im Abspann ihrer Bücher für den eigenen Endkunden-Shop werben. Solche Bücher gehören in den Giftschrank, aber nicht in die Auslage einer Buchhandlung.

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