Vom Manuskript zum Buch – Gastbeitrag von Svea Unbehaun

In Lesungen werde ich von Kindern und Jugendlichen immer wieder gefragt, wie so ein Buch eigentlich entsteht, was der Verlag tut und worin die Aufgabe des Lektors besteht. Svea Unbehaun, die im Thienemann Verlag für die Pressearbeit zuständig ist, war beim Erscheinen meines Romans Landeplatz der Engel so nett, dies in meinem damaligen Blog über das Buch zu erklären.

Das Wort „Autor“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Schöpfer oder Urheber. Zunächst ist ein Buch natürlich das Werk seines Autors – ein Produkt seiner kreativen Fantasie und seines schreiberischen Könnens. Die erste Erscheinungsform, in der das Buch vorliegt, ist das Manuskript – also der reine Text, bevor er gedruckt wird.

Svea Unbehaun, zuständig für die Pressearbeit im Thienemann Verlag, Stuttgart

Vom Manuskript zur Ware Buch.

Dieser muss zahlreiche Entwicklungsstufen durchlaufen, bis er zum Buch und – man muss es so sagen – zum käuflichen Endprodukt, zur Ware wird. Ein Autor möchte schließlich viele seiner Manuskripte an möglichst viele Leser bringen. Alleine kann er dies nicht leisten. Und so steht hinter einem Buch auch immer ein Verlag, der die Bücher herstellt und vermarktet. Zumindest galt dies bislang für gedruckte Bücher. Das Zeitalter der digitalen Medien bringt auch hier sicherlich Veränderungen mit sich, nehmen wir als Beispiel einmal Amanda Hocking, die mehrere Romane ausschließlich als E-Books veröffentlicht hat und ohne eine Agentur oder einen Verlag im Hintergrund zur Bestseller-Autorin wurde. Dennoch ist für einen Autor die Zusammenarbeit mit einem Verlag, der Kernkompetenzen in Produktion, Marketing und Verkauf besitzt und in ein erfolgversprechendes Produkt investieren möchte, sicherlich gewinnbringender.

Das alte Wort „verlegen“ stammt aus dem Mittelhochdeutschen und bedeutet so viel wie „Geld für etwas ausgeben“. Und genau das macht der Verlag – er kalkuliert die Produktionskosten und finanziert die Herstellung des Buches – mit der Erwartung, dass über den Verkauf des Buches diese Kosten gedeckt werden und ein Gewinn erzielt wird.

Hat der Autor sein Manuskript an den Verlag geschickt, steht zunächst die Entscheidung an, ob daraus überhaupt ein Buch wird. Zuständig hierfür ist der Verleger und das Lektorat (das Wort „Lektor“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet Leser oder Vorleser).

Lektoren: Berater und Kritiker der ersten Stunde.

Der Lektor betreut den gesamten Entstehungsprozess des Buches und ist der engste Ansprechpartner für den Autor und die Person, die das Manuskript als Erste liest. Den „Landeplatz der Engel“ betreuten der ehemalige Programmleiter Stefan Wendel und die damalige Lektorin Susanne Wahl. Autor und Lektor stimmen sich die ganze Zeit eng miteinander ab. Die Lektoren beraten den Autor, überprüfen, ob die Geschichte einen stimmigen Fluss hat, wo es Brüche gibt, Figuren plötzlich ihren Charakter oder ihre eigenständige Sprache verlieren. Das Manuskript wird vom Lektor immer wieder gegen gelesen, Rechtschreibfehler, Unstimmigkeiten oder krude Sätze werden eliminiert. Erst wenn die Lektoren grünes Licht geben, kommt die Herstellungsmaschinerie in Gang.

Die Herstellungskosten werden kalkuliert. Dabei ist unter anderem relevant, in welcher Ausstattung das Buch erscheint, wie viele Seiten es hat und wie hoch die Auflage sein wird. Auch Übersetzungskosten, Bildmaterial, die Gestaltung des Buchcovers u.a. werden in die Berechnungen miteinbezogen.

Herstellung, Vertrieb, Marketing

Ist das Manuskript schließlich fehlerfrei, wird es an die Druckerei geschickt, wo die vereinbarte Auflagenzahl gedruckt und das Buch gebunden wird. Aus dem Manuskript ist ein fertiges Buch geworden, das nun vermarktet und verkauft werden kann.

Die für den Verkauf des Buches zuständige Abteilung im Verlag ist der Vertrieb. Verlage können ihre Bücher nicht direkt an den Endkunden, also den Leser, verkaufen. Dies geschieht über den Buchhandel oder andere Stellen, wo Bücher gekauft werden können, beispielsweise Warenhäuser oder das Internet, die allesamt vom Vertrieb betreut werden.

Um die Leute auf das Buch aufmerksam zu machen, wird es beworben. Die Marketingabteilung eines Verlages stellt dafür zum einen Werbemittel wie Plakate, Lesezeichen oder Aufsteller her oder schaltet Anzeigen in Zeitungen und Magazinen.

Auf der anderen Seite werden in diesen Medien, vorwiegend in Zeitungen und Magazinen, aber auch im Radio oder Fernsehen, Bücher besprochen oder Autoren vorgestellt. Die Presseabteilung eines Verlags steht dabei in engem Kontakt mit den Journalisten und versorgt diese mit allen wichtigen Informationen rund um den Verlag, seine Bücher und Autoren. Zusätzlich werden Lesungen zu den Büchern veranstaltet.

Der Leser kann also über mehrere Wege von dem Buch erfahren: Über den Buchhandel oder andere Orte, wo das Buch verkauft wird, über die klassische Werbung und über Lesungen und Rezensionen, also Buchbesprechungen, in den Medien. Oder über ein Blog des Autors – wie im Fall von „Landeplatz der Engel“.

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