Ein Wort tauscht sich um.

Eines Tages hatte ungültig keine Lust mehr. Es hatte die Nase gestrichen voll. Warum bloß musste es so auf die Welt geschrieben werden, fragte es sich jeden Tag; nicht wie all die anderen, schönen Worte , die die Bibliothek bevölkerten?
Da beschloss ungültig, ein anderes Wort werden.
Eine Weile suchte es in all den Wörtern der vielen Bücher um sich herum, bis es endlich fündig wurde. Blume. Das war ein wunderschönes Wort. Und wenn man Blume war, konnte man vielleicht auch Vergissmeinnicht werden oder Stiefmütterchen. Oder gar Rose.
Aber das war schwieriger als es gedacht hatte. Kein Wort in all den Büchern wollte mit ihm tauschen. Wer wollte schon ungültig sein!
„Du kannst dich nicht so einfach umtauschen“, sagte Radiergummi, ein Wort, das sich mit solchen Fragen auskennen musste.
„Warum nicht?“, wollte ungültig wissen.
„Weil du darüber nicht entscheidest, als welches Wort du in die Welt geschrieben wirst.“
„Warum nicht?“, fragte ungültig.
„Du bist ja schlimmer als neugierig„, seufzte Radiergummi. „Das hört auch nie auf mit der Fragerei.“
„Wenn ich neugierig wäre, wollte ich gar nichts anderes sein. Das ist auf jeden Fall besser als ungültig“ , quengelte ungültig. „Nun sag schon, wer könnte mir helfen?“
„Du muss zurück zur Schreibmaschine und fragen, ob du umgetauscht werden kannst“, sagte Radiergummi.
Und ungültig machte sich auf den Weg.

| Der Anfang einer Geschichte, die aus der Frage eines Jungen der Schule in Altishofen (Kanton Luzern) entstand. „Wie findet man die Ideen?“, fragte er. Darauf antworte ich immer, dass sie in der Luft liegen, überall herumschwirren. Man muss nur leise sein und so tun, als interessierten sie einen gar nicht. Als wir gemeinsam die Ohren spitzten, kam die Geschichte vom Wort, das sich umtauschen will, heraus. Ob es ungültig gelingen wird, sich umzutauschen? |

5 Gedanken zu „Ein Wort tauscht sich um.

  1. Eine sehr schöne Geschichte, bzw. der Anfang. Mich würde jetzt aber schon brennend interessieren, was aus dem kleinen armen „ungültig“ geworden ist…

    • … vielleicht sollten wir eine kleine Blogparade daraus machen. Das geht so: Du schreibst ein kleines Stück weiter und sprichst eine/n Kollegen/in an, die den nächsten Schritt übernimmt und so immer weiter. Wichtig bei einer Blogparade ist, dass immer per Trackback oder Rücklink auf den Ursprung verweisen, also auf meinen Artikel, sodass man dort alle Beiträge am Ende gesammelt sieht und wir nachvollziehen können, wie es sich entwickelt hat, wer beteiligt ist usw. Wie wäre es? Lieber Grüße Frank

  2. Oh, der Anfang gefällt mir schon mal sehr gut 🙂 Worte als lebendig anzusehen ist eine reizvolle Idee. Was würde „geheim“ wohl so machen? Darf es denn eigentlich mit anderen Worten sprechen?

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