Smaragd

Smaragd nennen sie das Entrée zum Museum Rietberg in Zürich und es ist ohne Zweifel ein Edelstein. Nicht nur der Eingang – der durchscheinend und doch geheimnisvoll die Besucher anlockt, nachdem man durch einen kleinen Park die Anhöhe erreicht hat – ist eine Preziose; auch die Sammlungen bergen wahre Schätze außereuropäischer Kulturen mit Werken aus Asien, Afrika, Amerika und Ozeanien. Und sie zeigen mir wieder einmal, wie eng und begrenzt meine Betrachtung von Kunst ist. Angelockt hatte mich die Sonderausstellung „Chanvín – Perus geheimnisvoller Anden-Tempel“. Ich bin froh, dass mich die Müdigkeit einer vollen Lesungswoche in Luzern nicht überwältig hat! Einen ersten virtuellen Spaziergang gibt es hier, aber das ersetzt keineswegs einen „echten“ Besuch.

Die Stirnwand mit den goldenen Quadraten fällt einem nicht sofort ins Auge; wie so oft erschließen sich die Dinge anders, besser, wenn man etwas darüber weiß. Zum Beispiel, dass der Künstler Helmut Federle, dessen Arbeit dieses Werk ohne Titel ist, zu den wichtigsten zeitgenössischen Malern der Schweiz zählt. Seine Ausstellung American Songline hatte ich gerade in der vergangenen Woche im Kunstmuseum Luzern angeschaut. Eher bekannt für seine riesigen schwarzen Balkenbildern, die unter anderem in der Londoner Tate und im Museum of Modern Art in New York zu sehen sind, zog er mich dort mit kleinen und mittleren Bildformaten in seinen Bann – was eigentlich nicht so einfach ist, weil er abstrakt malt. Sehr abstrakt.
Im „Smaragd“ verbinden sich Federles warmgoldenen Quadrate mit dem rauen und grauen Beton; golden, schimmernd, Kitsch – das mögen die ersten Gedanken dazu sein, aber wer den Zubau betritt, verspürt es sofort: Es ist keine Dekoration, sondern Teil eines Dreiklangs, den das Kunstwerk mit dem grünlichen Schein der Glaswände und den würzig duftenden Vertäfelungen des Treppenhauses bildet. Gerade der Geruch verwirrt beim Abstieg in die Ausstellungsräume, nicht kühle Museumsluft ohne Charakter empfängt dich. Die hölzernen Gitter an den Seiten, die  Symmetrie der Stufen, weiche Beleuchtung, das alles bereitet auf etwas vor, das sich wie eine Transformation anfühlt. Alleine für diesen Gang hinunter lohnt sich schon ein Besuch des Museums.

Ein Gedanke zu „Smaragd

  1. Ganz magisch sieht das aus. Ich war erst einmal in Zürich. Diese Stadt ist allemal eine Reise wert, für Kunstliebhaber u.a. Soviele Galerien und Museen gibts glaub ich sonst nirgendwo. Zumindest habe ich Zürich als Stadt der Kunst in Erinnerung behalten. Diese märchenhaften Räume würde ich auch gern besuchen. Vorallem auch das mit dem Duft finde ich spannend. ..
    und aus der Schweiz kommen auch sehr gute junge Jazzbands wie z.B. das RusconiTrio

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