4 Bücher für 4 Jungs – Tipps von Ida Christina di Camillo

Mutige Leute mag ich. Und ein bisschen Mut gehört dazu, wenn man „heutzutage“ eine Kinderbuchhandlung eröffnet. Buchtipps für Jungs von der mutigen Ida Christina di Camillo vom Kinderbuchladen Wellenflug.

„Die Milchpiraten“ von Kai Lüftner (ab 8)

Das Buch ist ein Riesenspaß! Es ist frech (aber nie pampig), es ist wirklich lustig (ohne blöde oder platt zu sein), es ist ein bißchen schräg und ziemlich spannend, es hat was von Kindheit, Freiheit, Abenteuer… Und da das Auge mitliest: Die Gestaltung von Judith Drews ist toll und stimmig! Klasse Illustrationen, wunderschöne zweifarbige Schrift, feine Gimmicks… Bunt und fröhlich ist das, ohne dabei reizüberflutend zu wirken oder vom Lesen abzulenken. Eine angenehme Schriftgröße und der eher geringe Umfang des Buches machen, dass „Die Milchpiraten“ auch auf jüngere und ungeübtere Leser nicht abschreckend oder demotivierend wirkt und sehr gut verdaulich ist.

milchpiraten

Bloomsbury Verlag, 100 Seiten, 12,99 Euro – ISBN-13: 978-3827055163

Einen Song dazu gibt es auch:

„Schlimmes Ende“ von Philip Ardagh (ab 10)

Dieses Buch ist so cool, sogar Jungs (und Mädels), die Lesen eigentlich für absolut uncool halten, finden es cool. Das Buch war ursprünglich in Fortsetzungen/Folgen geschrieben worden. Und allabendlich wurde in der Schule eines Neffen des Autors – sehnsüchtig erwartet, so sagt die Legend – eine solche Folge vorgelesen. Als Leser schnorchelt man dieses Buch auf eben diese Art weg. Man mag kaum abwarten wie es weitergeht. Dazu tragen v.a. eine Menge schräger Wendungen, ein haarsträubender Plot, völlig skurrile Figuren und einige der unverschämtesten Cliffhanger aller Zeiten bei. Fiktionsironie, Zwischenschaltungen vom Autor, viel,viel Wortwitz, etc. – die sprachlichen Kompetenzen und das Textverständnis gerade jüngerer Leser werden durchaus gefordert und gefördert. Das Beste jedoch ist: Man bekommt das vor lauter anarchischem Spaß, atemlosem Staunen und irrer Begeisterung überhaupt nicht mit! „Schlimmes Ende“(!) ist der Beginn(!) der Eddie-Dickens-Trilogie(!) in sechs(!) Bänden…das Vergnügen ist also nicht so schnell vorbei.

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Taschenbuch,  128 Seiten, ISBN: 978-3-570-21507-4, € 5,90 [D] | € 6,10 [A] | CHF 8,90*

„Onkel Montagues Schauergeschichten“ von Chris Priestley (ab 12)

Mit zwölf Jahren hat man es nicht leicht, Kinderbüchern ist man entwachsen, Erwachsenen-bücher – und auch manch sogenannter All-Ager – sind zu komplex, zu schwer verdaulich. Nichtsdestotrotz wünscht man sich ja vielleicht Spannung und Nervenkitzel von seiner Lektüre… „Onkel Montagues Schauergeschichten“ (oder einer der anderen beiden Schauergeschichten-Bände) bietet genau das: Genug Grusel und solche Schreckmomente, dass man bisweilen bei bloßem Türenknarren zusammenzuckt, und eine so starke Sogwirkung, dass man am liebsten die Nacht durch unter der Decke weiterlesen möchte. Und ist dabei vollkommen altersangemessen. Priestley erzählt auf eine sehr britische, sehr klassische Art. Eingebettet in eine an sich schon schön unheimliche Rahmenhandlung erinnern die Gruselgeschichten mit ihrem suspense und ihren düsteren clous geradezu an Edgar Allan Poe (man fragt sich, ist es Zufall, dass der Ich-Erzähler Edgar mit Vornamen heißt?), die Sprache ist dem Inhalt angemessen, jedoch absolut verständlich – auch für junge Leser –  und der heutigen Zeit gemäß. Die feinsinnigen Illustrationen im Comic-Stil sorgen dafür, dass das Buch frisch wirkt und man Lust bekommt, es zu lesen.

Layout 1

Bloomsbury, 224 Seiten,  ISBN-13: 978-3827053718, 15,90 Euro

„Tschick“ von Wolfgang Herrndorf (ab 14)

„Das ist das beste Buch, das ich überhaupt gelesen habe.“ Das hat mir mal ein 14-jähriger Schülerpraktikant darüber gesagt. Was zeigt, es muss nicht immer ein ausgesprochenes Jugendbuch sein. Das Buch hat jedenfalls (literarisches) Niveau, ist sprachlich und strukturell sehr gelungen; es fordert ohne zu überfordern und könnte so durchaus Appetit auf mehr „echte“ Literatur machen. (Und zum 15. Geburtstag dann bitte den „Fänger im Roggen“!) Der Ich-Erzähler Maik wirkt immer authentisch, die Stimme ist die eines 14-jährigen, eines unsicheren Teenagers, nie klingt es da anbiedernd oder gewollt. Die Coming-of-Age-Story ist einfühlsam erzählt und hat jede Menge Identifikationspotenzial, die Roadmovie-Handlung sorgt für Spannung und eine Riesengaudi. Empfehlenswert!

rororo, Taschenbuch, 256 S., € (D) 8,99, ISBN: 978-3499256356

Ida Christina Di Camillo (35)  hat als Kind  Endes „Die unendliche Geschichte“ und  Ronja Räubertochter von Astrid Lindgren oder  Hugo und Josefine von Maria Gripe. Gerade liest sie mal wieder E. Canetti (für den Kopf), in der WanneN. Gaiman, Zerbrechliche Dinge und in Kinder-/Jugendbuch-Angelegenheiten: J. Kelly, Calpurnias (r)evolutionäre Entdeckungen, den dritten Die-Kurzhosengang-Teil u.a. Ida arbeitet hier:  Wellenflug – Der Kinderbuchladen, Schillingstr. 9, 50670 Köln – www.der-kinderbuchladen.de und bei Facebook findet man sie auch

foto_IdaDiCamillo

Ida lauscht einer Lesung.

Noch mehr Empfehlungen von ganz unterschiedlichen Leuten gibt es hier: “Buchtipps für Jungen”.

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