Die Engel stürzen ab.

Wenn ein neues Buch erscheint, trommeln wir Autoren auf allen Kanälen –  Facebook, Twitter, Pressemeldung, ein Freudenseufzer am Autorenstammtisch. Hurra. Klappern gehört zum Handwerk, das haben wir gelernt, obwohl wir doch eigentlich unscheinbare, stille, meistens etwas blasse Wesen sind.
Wenn unsere Werke dann (in der heutigen Zeit leider immer schneller) von der Vertriebsabteilung in einem Komplott mit dem Controlling gemeuchelt (Waffe: Ladenpreisaufhebung) und zu Grabe getragen (Friedhof: Antiquariat) werden, schluchzen wir bestenfalls empört, kaufen ein paar Restexemplare – es könnte ja sein, dass doch noch mal jemand ein Exemplar haben will – und schweigen. Jetzt ist es wieder passiert. Und nicht mit irgendeinem Buch, sondern mit meinem besten und liebsten und persönlichsten:

Landeplatz der Engel

Der LANDEPLATZ DER ENGEL scheidet dahin. Immerhin hat er 5 Jahre überstanden. Aber ich will ganz und gar nicht still, traurig und beschämt eine letzte Nelke auf diesen Sarg werfen. Das ist ein Buch, randvoll mit Wörtern und Zeilen, die nichts in der Grabbelkiste zu suchen haben. Gut, manchmal sind es sonderbare Worte und auch zu viele, der Held hat schließlich Tourette.
Aber habt ihr schon mal ein Buch gelesen, in dem es um Thunderbirds, Banküberfälle, Knastrosen, Bibelworte, Engel und gelegentlich die komplette Produktbeschreibung eines Computers geht? Um die Frage, wann man besser abgetrieben würde, warum man sich in einen Cabrio in den Grand Canyon stürzen sollte, wer festlegt, dass Ananas wie Ananas schmeckt? Was der Unterschied zwischen Giebel- und Von-oben-nach-unten-Sätzen ist? Wie man ein Auto knackt? Warum Leute ihre Kinder einfrieren?
Baby, die Türsteherin, das Paillettenmädchen, Riff Raff, der Kater Kasimir – alle weg? Und Fabian, mit den vielen Worten. Und Mirco, mit den harten Worten. Bis 31. Mai könnt ihr das Buch noch bestellen. Macht schon. Räumt den Rest ab. Ihr macht keinen Fehler. Für den Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis war der Landeplatz nominiert, in der White Ravens-Auswahlliste stand er.
Seufz. Jammern hilft nix. Ich mache mich auf die Suche nach einem Taschenbuchverlag. Vielleicht gibt es ja eine Wiedergeburt. Wenn jemand, wen kennt, der wen kennt und dessen Schwester ist Lektorin bei dtv, Fischer TB oder so … immer gerne melden!

4 Gedanken zu „Die Engel stürzen ab.

  1. Wie gut ich dir das nachfühlen kann! Mein Erstling, an dem mein Herz immer noch hängt, und der bei Lesungen nach wie vor für Stecknadel-Fall-Stille sorgt, hat gerade sein TB-Leben ausgehaucht. (Und leider kenn ich niemanden, dessen Schwester und so …)
    Mein Mitgefühl!
    Christine

  2. Schade um das Buch, mir hat es gut gefallen. Die Lesung, die ich dazu erleben durfte, war ebenfalls beeindruckend. Danke!

  3. Ich habe eine Frage:
    Wie sind sie auf so ein Thema gekommen?
    Es ist ein sehr spannendes und spezielles Buch denn ich habe noch nie ein Buch über Engel gelesen ausser dies.

    • Liebe Alina, es freut mich, dass du es spannend und speziell findest, das ist es in der Tat. Das Thema Tourette-Syndrom ist mir schon sehr früh in meiner Kindheit einmal begegnet und dann später wieder. Ich fand diese Erkrankung einfach sehr interessant und habe dann einen Weg gesucht, wie ich darüber schreiben kann. Die Engel haben sich dann einfach so eingeschlichen, man kann es gar nicht immer so genau sagen, warum man dieses oder jenes in ein Buch einbaut. Herzliche Grüße Frank Reifenberg

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