Haste ma ne Makk?

Bei der Einführung des Euro war  eine meiner ersten Überlegungen, was denn wohl der Obdachlose macht, der einen oft total erschreckte, wenn er – aus einer dunklen Hausecke heraus oder hinter einem geparkten Lieferwagen hervor – sein maschinengewehrartiges „Makkmakkmakkmakk…“ rausschleuderte (Die Kurzform von „Haste ma ne Makk?!“).

Damals kannte ihn jeder in der Kölner Innenstadt. Sein Revier lag rund um den Rudolfplatz. Irgendwann war er plötzlich verschwunden. Ich weiß nicht, ob er „Kalle“ heißt. Ich habe auch nie gesehen, dass jemand ein solches Spielchen wie Mirco im „Landeplatz der Engel“ am Anfang des sechsten Kapitels mit ihm getrieben hätte. Wo auch immer er nun sein mag, er hat nun ein ewiges Plätzchen in einem Roman gefunden und ich hoffe, es würde ihn freuen – auch wenn mir klar ist, dass Menschen wie er ganz andere Probleme haben.

Beim Schreiben sind solche Zufallsbegegnungen natürlich der lebensnotwendige Quell, aus dem der Autor schöpft. Sie setzen sich irgendwo in einem Gehirn-Stübchen (mit vielen anderen) hin und warten, warten, warten und eines Tages ist es so weit. Etwas ruft sie nach vorne, sie stehen auf, treten heraus und hervor und rufen: Da bin ich. Ich bin genau jetzt richtig, um einer Figur, einer Szene, einem Dialog echtes Leben einzuhauchen.

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