Gesucht: Retter der Menschheit.

Ein Gespräch mit der Fotografin Ilka Flören über Kunst auf der Straße und darüber, wie man andere für seine Kunst begeistert und jeden zum Teil des Schaffens machen kann.

Ilka, ich fotografiere seit einiger Zeit alle möglichen Formen von paste ups, Sticker usw. im Stadtbild und veröffentliche sie hier oder in meinem tumblr-Blog straßen|wort|bilder. Es tauchte der Ruf nach den Rettern der Menschheit auf. Das Bild unten ist ganz aus der Anfangszeit, an der Bahnunterführung Aachener Straße aufgenommen. Schnell gegoogelt, auf dich gestoßen! Du beteiligst dich damit an einer Kunst- und Fotoaktion. Um was geht es?

Eine befreundete Fotografin aus Buenos Aires hatte mich eingeladen an einem internationalen Foto-Festival „Pon una Foto en la Calle“  teilzunehmen.  Das heißt  soviel wie „ Tu ein Foto auf die Strasse“ .

Retter der Menschheit

Um was geht es dabei?

Im öffentlichen Raum werden Fotos oder Fotokunst präsentiert: raus aus dem Museums- und Galeriebetrieb, rauf die Strasse, in den öffentlichen Raum. Der  Allgemeinheit wird ein offenerer Zugang zur Fotokunst gegeben.

Wodurch zeichnet sich dein Beitrag aus?

Mir kam der Gedanke, dass ich gerne eine Aktion starten möchte, die weiterlaufen kann und soll. Ich wollte nicht nicht nur an jenem Tag ein schönes Bild irgendwo aufhängen. Da mich die weltweite politische Anspannung sehr beschäftigt, kam ich auf die Idee meinen „Retter“ zu verbreiten.

Was willst du mit „Gesucht – Retter der Menschheit“ erreichen?

Es ist doch klar , dass es nicht nur EINEN Retter geben kann und das ist auch gut so. Ich möchte den Gedanken anregen, dass jede/r von uns ein Retter/ eine Retterin sein kann. Dass jede/r Verantwortung übernimmt für sein Tun oder auch eben sein Nichttun. Dazu gehört auch eine Kunstaktion, nicht nur politische oder soziale Aktionen. Die Teilhabe eines jeden und einer jeden wird hervorgehoben.

Die Aktion lebt also von der Beteiligung. Was sollen die Leute tun?

Die Aktion startete im Mai im Zuge des o. g. Festivals, aber sie läuft nach wie vor weiter. Erst heute habe ich eine neue Anfrage bearbeitet. Auf Facebook habe ich eine Event-Page eingerichtet, dort kann man nachlesen, wie es geht. Dort kann man nach wie vor auf „Teilnehmen“ klicken und mir dann an mail@ilkafloeren.de eine Email schreiben.
Ich schicke den TeilnehmerInnen eine Druckversion meines Retters in beliebiger Sprache. Alle, die teilnehmen möchten, können sich so den Retter beliebig oft ausdrucken und ihn unters Volk zu bringen und im öffentlichen Raum platzieren. Die TeilnehmerInnen machen dann ein Foto vom Retter und posten dieses auf der Event-Page und schicken es mir per Mail.

Wie sind die Reaktionen bisher?

Durchweg sehr positiv! Die Aktion hat so guten Anklang gefunden, dass ich sie gerne fortführen möchte.  Ich  plane eine eigene Website zu erstellen.
Bei meiner Plakatieraktion wurde ich andauernd gefragt, ob man ein Poster haben dürfe und war begeistert, dass ich eine Druckversion verschicke. Es ist toll zu sehen, dass es den Retter in Indien, Schweden, Argentinien , Brasilien und anderen Orten gibt und der Gedanke Früchte trägt. Erst heute noch habe ich eine Fotodatei an jemand verschickt, der genau wie du nach mir gegoogelt hat und begeistert ist von der Idee, dass jede/r ein/e RetterIn sein kann und darf.

Hast du schon mal in ähnlicher Weise gearbeitet? Wie waren die Erfahrungen?

Das ist für das erste mal, dass ich in dieser Art und Weise eine Aktion über das Internet ankurbel. Aber der Interaktionscharakter ist für mich prinzipiell schon wichtig. Ich finde es schön zu sehen, wie der Funke überspringt und die Menschen Lust haben mitzumachen und Teil des Ganzen zu sein. Kunst ist für mich spannend, wenn sie den Bogen schlägt,  ansteckt und inspiriert für eigenes Schaffen.

Ilka Flören lebt und arbeitet in Köln und auf der ganzen Welt. Ihr Studium in interkultureller Kommunikation, Kunst und Soziologie, ihre mehrjährige Tätigkeit als Kameraassistentin für Film, Fernsehen und Fotografie und nicht zuletzt ihr Job als Flugbegleiterin haben ihren weltoffenen und empathischen Blick für die Menschen und Dinge der Welt geprägt. Inspiriert durch ihre vielen Reisen liegt ihr fotografischer Schwerpunkt im Bereich der Dokumentar – und Portraitfotografie. Des weiteren fertigt sie Kunstwerke im Arte Povera Stil, zumeist aus Fundstücken, die sie von ihren Reisen mitbringt oder sie inspiriert mit ihren begehbaren Rauminstallationen wie zuletzt dem „Beamspot“ .

Ilka Flören

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