Mit Kafka hören sich alle Wörter gut an.

Seit Tagen immer heftiger der Meinung, dass ich das Drehbuch nicht stemmen werde. Gestern ignoriert der Produzent quasi, was ich ihm im spontanen Treffen eigentlich sagen wollte, nämlich, dass ich das Drehbuch nicht stemmen werde. Schlauer Bursche. Kennt sich mit Autoren aus. Reden lassen. Jammern lassen. Ignorieren. Und dann sagen: Ist dein Buch. Mach, was du willst.
Abends dem Schatz davon erzählt. Schatz sagt: Hört sich an wie Kafka. Verwandlung und so. Und: Geht nicht immer alles um Angst?
Schön, die Latte liegt nun so hoch, dass ich sie nicht einmal mehr sehe. Angstkafka.
Dann Shakespeare geguckt. Geht’s im Kaufmann von Venedig um Angst? Shakespearig ist nicht so ein schönes Wort wie kafkaesk, stelle ich gerade fest.
Morgens um 05:45 Kaffee gekocht, weil angeblich von sechs bis acht der Strom abgestellt wird. Ungewöhnliche Zeit.
Noch mal Kafka gelesen. Coole Socke, dieser kranke Kopf. Gut, dass es damals noch kein Internet gab, der hätte ganz sicher seine Verwirrungen dort verschleudert und wäre im Knast gelandet.
Zwischendrin versucht, die Leistungsverbuchung im Universitätssystem zu verstehen und  – im Interesse der Studierenden – auch ordnungsgemäß zu erledigen. Auch ein bisschen Kafka. Unikafka. Eigentlich ein schönes Wort.
Headline: Angst vorm Scheitern verhindert Drehbuch über Angst. Das Leben schreibt bekanntlich doch die besten Geschichten. Aber ich komme  nicht vom Aufgeben. Ich wage ein bisschen Kafka und werfe alles, was ich über Filmdramaturgie und Heldenreise und want und need und den ganzen Kram gelernt habe, weg. Wenn sich das mal nicht rächt. Egal. Zur Not werde ich eben Käfer. Zeitschiene wird zerschlagen. Episodig-ensemblig wird erzählt. Vielleicht sollte sich die Hauptfigur gleich am Anfang umbringen.
Ich denke zu viel nach. Merke ich immer wieder.
P.S. Natürlich haben sie den Strom nicht abgestellt. Warum auch? Welcher Handwerker stellt morgens um sechs den Strom ab. Stromkafka. Mit Kafka hören sich alle Wörter gut an.

4 Gedanken zu „Mit Kafka hören sich alle Wörter gut an.

  1. Du hast doch bereits das Thema betreten sozusagen, mit Dir selbst. Und darüber geschrieben hast Du auch, wie es ist, wenn man vor etwas steht, das einem riesig vorkommt, während man selbst davor schrumpft.

    Das wird schon.Guck Dir einfach zu und schreib es auf. 🙂

  2. Pingback: Wie mich das Staubtuch vor einer Drogenkarriere bewahrte. | schreibkraftfmr

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