Wie mich das Staubtuch vor einer Drogenkarriere bewahrte.

kicken&lesen-Meeting von gestern nachbearbeitet, mit der Projektleitung telefoniert, Artikel fürs Eselsohr geschrieben, Satzfahnen für Ravensburger korrigiert, Endkorrekturen für die Schattenbande 3 vorgenommen, einen Stiftungsantrag für boys&books bearbeitet, diverse Lesereise-Telefonate, Zug-Buchungen usw. Das war der Tag bis 14:00 Uhr.
Aber noch kein Wort geschrieben.
Also drehbuchmäßig.
Und ich bin auch gar nicht in Stimmung.
Und ich hab jetzt schon ein schlechtes Gewissen, weil ich heute Abend denken werde: Viel gearbeitet, aber nichts geschafft.
Das ist schon gar keine gute Voraussetzung für Kreativität. Vielleicht lass ich es dann heute doch lieber ganz. Außerdem scheint doch die Sonne.
Nein, so geht das nicht. Du musst. Vielleicht stimmst du dich erst ein bisschen ein und noch mehr zuerst kochst du einen Kaffee.
Alles Ausreden! Alles Ausreden! Prokrastination!, schreit da jemand. Das kommt von draußen, ach nein, das ist die Sirene eines Feuerwehrautos.
Es kommt also von innen.
Feuerwehr? Es riecht so sonderbar. Und meine Zunge ist schon ganz belegt. Das kommt von draußen. Ist in Wesseling wieder eine Raffinerie explodiert? So kann doch keiner arbeiten.
Ich brauche einen kleinen Schubser. Lesen ist in solchen Situationen immer gut. Habe ich nicht irgendwo dieses … von dieser … Julia Dingenskirchen oder so. Der Weg des Künstlers. So hieß es, ja. Jetzt musst du es nur noch finden.
Verdammt, ich habe doch noch irgendwo im Regal diese kleine Ecke mit Lebenshilfebüchern, die ich natürlich nur und ausschließlich zu Recherchezwecken nutze. Sonst.
Oder besser die Biografie von Elizabeth George. Oder Stephen King. Die schreiben immer so schöne Sachen, mit denen man sich identifizieren kann. Ja, die haben auch diese Probleme und die schreiben Bestseller! Von den Großen musst du lernen!

*kram … raschel … pust … hust*

Ich könnte mal wieder Staubwischen.

*lächel*

Es braucht nicht immer Kafka, um dem Untergang zu entkommen. Auch nicht King. Nur ein Staubtuch. Und sowieso: Hat diese Julia Dingenskrichen oder so nicht geschrieben, dass sie Alkoholikerin darüber geworden ist, sich in die richtige Stimmung zum Schreiben zu bringen? King war übrigens auch drogenabhängig. Staubwischen. Viel besser. Und so befriedigend. Man weiß, was man getan hat.

3 Gedanken zu „Wie mich das Staubtuch vor einer Drogenkarriere bewahrte.

  1. Frank, du schreibst mir aus der Seele.
    Und falls du irgendwann genug Staub gewischt hast und eine weitere Ersatzhandlung brauchst: Ich empfehle das Backen. Vor allem den Hefeteig. Handgeknetet, versteht sich. Man kann ordentlich Kraft reingeben und dann geht er von alleine auf. Der erste Vorteil. Der zweite: Man sieht und schmeckt ganz schnell ein Ergebnis. Bücherschreiben dauert definitiv länger. Sag Bescheid, wenn du Rezepte brauchst. 😉

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