Nach Mitternacht.

Kurz nach Mitternacht trat die Frau zu dem leuchtenden Rechteck, das auch denen noch die Erfüllung ihrer Wünsche versprach, die sich in die konsumflutende Weite der Supermärkte nicht mehr getraut hatten. Geschäfte unter vier Augen, Rituale, jeden Abend, oft nach Mitternacht. Ein schneller Handel, nach dem sie in die Dunkelheit zurücktreten durfte.
„Ach, heute gönne ich mir noch etwas, es ist so ein Abend dafür, geben Sie mir zwei und eine Marlboro“, sagte sie.
Er verstand nicht sofort, was Sie meinte. Sie zeigte auf den Kühlschrank, in dem sich Dosen aufreihten. Immer zwei von jeder Sorte nebeneinander.
„Wir tragen jetzt alle Namensschilder, man muss etwas für die Kunden tun, ein gutes Gefühl. Erdem, sehen Sie, Erdem. Sie wissen jetzt immer, Erdem denkt an Sie. Ich komme aus Kasachstan und ich werde für Sie da sein.“
Ihr Blick fixierte die Reihen. Immer zwei von einer Sorte. Becks. Heineken. Bitburger. Köstritzer. Die Schachtel Zigaretten lag bereits neben der Geldschale; eine der altmodischen, die noch für eine Eissorte warb, die längst aus der Mode gekommen war. Sie drehte sich langsam um und lief davon.
„Ihr Bier“, rief der Mann im Kiosk. „Kommen Sie wieder. Erdem. Ich bin für sie da.“

Um Geschichten von Einsamkeit geht es auch hier.

Ein Gedanke zu „Nach Mitternacht.

  1. Pingback: Kasachische Einkaufsliste. | schreibkraftfmr

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s