Vom Wollen.

Was willst du eigentlich? Diese Frage taucht im Leben in regelmäßigen Abständen auf, anfangs in kleinen, dann immer häufiger. Und manchmal lauert sie an den ungewöhnlichsten Orten auf dich.
Gestern sitze ich so auf dem Wochenmarkt an der kleinen Kaffeebude, plaudere mit meinem ältesten (im Sinne von langjährig) Freund und komme darauf, dass er ja eigentlich die Rente schon fast in Sichtweite habe. Er ist drei Jahre  jünger als ich. Und er schnappt mit Recct nach Luft, schließlich fühlen wir uns innen so wie Mitte der Dreißiger, großartige Zeit. Absolut. Ich flog ein halbes Jahr lang jedes Wochenende zum Partymachen nach Madrid, kündigte dann meinen Job und blieb das zweite Halbjahr komplett dort. Und ja, ich habe inhaliert und nicht nur das.
Und jetzt? Sitze ich an dieser Bude und denke nicht nur an Rente, sondern rede auch noch drüber.
Gut, von Rente kann bei mir im engeren Sinne sowieso nicht die Rede sein. Weshalb sollte ich solche Gedanken also auf mich beziehen? Aber dann kamen sie, die Gedanken. Beharrlich. Hinterhältig. Stinkig. Fies.
Und 24 Stunden später.
In der Nacht dazwischen träumte ich von einer Lesung, zu der niemand kam und von Kai und von Rüdiger. Rüdiger war Lehrer. Was Kai war, weiß ich nicht mehr.
Beim erfolglosen Versuch an einem Samstag bei IKEA eine Verlängerung für meinen Schreibtisch zu kaufen (lohnt sich das überhaupt noch?), schwappt das Thema weiter, wird grundsätzlich und damit zur Welle.
Baumarkt, Gartencenter, Bäckerei.
Es nagt. Ich will wirklich nicht über solche Dinge nachdenken.
Schmetterlingswiese im Blumenkasten sähen (die erlebe ich noch), Austin Kleon lesen, Marmorkuchen essen.
Es nagt. Wollen kann man viel. Nicht wollen noch mehr.
Aber es wurde ernst.
Aus „Oh Mann, du bist schon ganz schön alt.“ wird „Ob du jemals eine Rente bekommen wirst?“, um sich dann aber fix zu „Vielleicht ist doch nicht mehr so viel Zeit?!“ zu entwickeln und zur Frage „So oder so solltest du dir überlegen, ob du die knappe Zeit wirklich weiter mit dem verschwenden willst, was du gerade oder zumindest WIE du es tust?“ überzugehen.
Was lernen wir daraus?
Meide an sonnigen Tagen Wochenmärkte.
Trink zumindest keinen Kaffee an der netten Kaffeebude.
Hab lieber den ganzen Tag einfach so schlechte Laune.
Oder misch dich zumindest nicht in die Rentenfrage deiner ältesten Freunde ein.

Vier Wochen Gedankensprünge. Im letzten ging es um Wörter mit ollen. Die finden sich hier.

2 Gedanken zu „Vom Wollen.

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