Dame im schwarzen Kleid.

Francisco de Goya (1746 – 1828) malte sie wahrscheinlich 1805 – 06 in Madrid: Doña Antonia Zárate y Aguirre. Ich sah sie 2005 in der Alten Nationalgalerie Berlin, in einer Ausstellung, die Goya als den „Prophet der Moderne“ feierte. Drei Monate dauerte mein Aufenthalt in Berlin, die Recherchen für ein Buch hatten mich dorthin verschlagen. In einer kleinen Wohnung im Prenzlauer Berg haderte ich mit mir, mit dem Schreiben und mit einigem mehr.
Doña Antonia in die schwarzen Augen zu schauen, das war eines der herausragenden Erlebnisse dieser Zeit. Die melancholische und distanzierte Schönheit der Schauspielerin drang mir ins Herz. Ich kaufte damals eine Postkarte im Museumsshop, das tue ichGoyaKarte immer bei solchen Gelegenheiten. 2012 erinnerte ich mich an Doña Antonia.
Mein neues Buch spielte in Berlin und ich stellte mir die Protagonistin wie diese Dame im schwarzen Kleid vor. So erhielt die Doña einen kleinen Gastauftritt in meinem Buch Schwesternlüge. Jetzt verlässt sie mich, weil ich um eine Karte für ein Abschiedsgeschenk gebeten wurde. Eigentlich wollte ich sie nicht hergeben, die Collage aus dem Postkartenmotiv und dem Text im Buch sollte der Ersatz sein. Mein Drucker schritt ein und druckte nicht, was ich gestaltet hatte.
Ich muss mich wohl wirklich von ihr trennen. Jetzt ist sie auf dem Weg nach Luxemburg. Ich hoffe, der angehende Pensionär, der sie erhalten wird, lässt sich ebenso von ihrem Blick betören. Übrigens, wer sich für Goya interessiert und auf literarische Weise in seine teils sehr dunkle Welt entführen lassen will, dem empfehle ich das ganz ungeheuer spannende und poetische Buch von Jacek Dehnel Saturn – schwarze Bilder der Familie Goya (Hanser Verlag).

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