Jetzt auch in Tonga.

Der Autor freut sich, wenn es von einem seiner Bücher eine neue Lizenzausgabe in einem anderen Land gibt. Kürzlich erreichte mich die Nachricht, dass im sicher ein wenig exotischen Königreich Tonga ebenfalls ein Buch von mir erhältlich sei. Ich gestehe, wir Autoren denken dann als Erstes an eine schicke Lesereise, in diesem Fall in südliche Gefilde.
Die Freude war also groß. Ja, ein wenig wunderte ich mich auch.
Auf Tonga, das im Südpazifik liegt, sprechen wohl viele Menschen deutsch, dachte ich. Die Landessprache gehört zu den polynesischen Sprachen, aber das heißt ja nichts. Mit der deutschen Kolonialgeschichte bin ich nicht so vertraut, vielleicht waren wir da einmal und haben uns nicht von unserer besten Seite gezeigt. Mein Buch trägt am Ende gar zur Völkerverständigung bei.
Auf jeden Fall scheint Tonga medientechnisch weit vorne zu sein, denn mein Buch Unsichtbare Blicke wird dort ausschließlich als Ebook vertrieben. Ein leiser Zweifel keimte in mir, als ich den Preis sah: Für nur 0,01 Euro kann man die 400 Seiten des Buches auf Tonga downloaden.
Nun verstand ich.
Keine Lizenz. Keine Lesereise. Nix Südsee. Nix Völkerverständigung.
Eine Raubkopie war es, die man – wie ich nun lernte – von Tonga aus besonders gut ins Netz einspeisen kann. Nicht wirklich von Tonga aus. Man kauft einfach nur die Domain dort. Der König von Tonga hat eine Neigung zu zweifelhaften Geschäften. Tupou VI bietet sein Land auch als Endlager für radioaktiven Müll an.
Ich will ihm auch gar keinen Vorwurf machen, man schaut halt, wie man über die Runden kommt. Das tue ich ja auch. Dummerweise habe ich mir dafür einen Beruf ausgesucht, der mir viele Möglichkeiten bietet, nur nicht die reich zu werden. Das Schreiben an sich würde mich nicht einmal ernähren, obwohl ich zu denen gehöre, die es scheinbar geschafft haben. Meine Bücher erscheinen in namhaften Verlagen, meistens zwei im Jahr. Ich muss nicht einmal kellnern gehen oder sonstige Nebenjobs annehmen.
Das liegt aber nur an meinen unterhaltsamen Lesungen und an einer Art unique selling point, den ich mir erarbeitet habe, die Leseförderung für Jungen. Wie das mit der Situation von Kinder- und Jugendbuchautoren aussieht, haben Paul Maar und Antje Herden in der NDR-Sendung Kulturjournal erzählt.
Ich mag nicht jammern, mir geht’s ja gut.
Anklagen mag ich sehr wohl. Deshalb sei es hier ein für alle Mal gesagt: Raubkopien sind kein Kavaliersdelikt. Ich werde dabei bestohlen. Von diesem Geld bezahle ich meine Krankenversicherung, meine weitgehend private Altersversorgung, meine Miete und meine Brötchen.
Womit verdienst der denn seine Brötchen? Ja, liebe Raubkopierer und Leute in der Netzgemeinde, die glauben, alles sei free and easy and für nix zu haben, nur weil die Technik das im Prinzip zulässt: Ich verdiene meine Brötchen mit Schreiben, und ich kann meine Brötchen nur bezahlen, wenn man mich bezahlt. Dafür gebe ich viel, denn Bücher zu schreiben ist – unabhängig von der Bezahlung – oft auch ein zehrender Prozess. Ich gebe euch meine Ideen, meine Fantasie und ich trage dazu bei, dass es in diesem Land Vielfalt und kreativen Reichtum gibt.
Raubkopien sind eine Sauerei, sie bringen mich um den Lohn meiner Arbeit. Raubkopierer sind Diebe, damit das klar ist.
Der Vergleich ist abgelutscht, aber immer noch richtig: Kein Bäcker verschenkt seine Brötchen und der Klempner repariert den Abfluss nicht für lau.
Ich will keine Kulturflatrate, denn ich bin freischaffender Künstler aus gutem Grund.
Ich will ein Urheberrecht, das meine Leistungen schützt. Ich verlange von meinen Verlagen und von meinen Leserinnen und Lesern, dass sie meine Leistungen anerkennen. Auch durch Geld. Und zwar durch mehr als einen kläglichen Anteil von virtuellen 0,01 Euro.

Ein Gedanke zu „Jetzt auch in Tonga.

  1. Kann ich nur unterschreiben. Also, nicht, dass ich vom Schreiben leben könnte – aber dass Raubkopien eine Sauerei sind. Und, ganz ehrlich: So teuer sind Romane in Deutschland nicht, dass man die klauen müsste. Wenn man jedoch tatsächlich so am Hungertuch nagt, aber der Kultur nicht entsagen möchte: Die örtliche Stadtbibliothek freut sich über jeden Besucher.

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