Jakob, knapp vorm Himmel – 3

|Wer zuerst den Anfang lesen will, beginnt hier: Jakob, knapp vorm Himmel 1 und Jakob, knapp vorm Himmel – 2|

3

Am nächsten Tag regnet es. Jakob schließt die Augen und hört dem Regen zu. Es plöppert sehr gleichmäßig auf die Dachpfannen, außer wenn ein fester Windstoß kommt, der alle Tropfen entführt, bevor sie plöppern können.
»Plöpp. Plöpp. Plöpperepöpp. Plöppplöpp. Plöpperöppöpöpp. Plöppipilippiplöpp«, singt Jakob mit.
Regen finden fast alle blöd, nur Jakob nicht. Und Herr Klöppelmann, der gerne im Regen tanzt. Die Leute sagen, Herr Klöppelmann sei plemplem. Darüber hat Jakob sich schon einige Mal Gedanken gemacht. Wenn Herr Klöppelmann sehr viel weiß und gerne im Regen tanzt und plemplem ist, was ist dann Jakob, der viel weniger weiß und mit dem Regen singt. Plemplemplerempämpäm. Mindestens.
Jetzt aber macht es takk, takk, takkeretakk.
Jakob hört auf zu singen.
Takkeretakk, takk, takk.
Das Takken kommt von der Glastür, die zum Dachbalkon führt. Draußen steht eine Krähe. Sie takkt noch einmal mit dem Schnabel gegen die Scheibe. Der Regen perlt von den schwarzen Federn des Vogels, der einmal nach rechts und wieder nach links hüpft auf seinem einen Fuß.
Krroargh!, ruft er nicht.
Jakob öffnet die Tür. Ein bisschen Regen weht herein. Die Krähe spuckt etwas aus. Es ist so klein, dass Jakob es zuerst nicht sehen kann.
»Krroargh«, ruft die Krähe nun doch und pickt auf den Holzboden direkt vor Jakobs Füßen und hüpft dann auf seinen Schoß.
Jakob hält die Luft an. Herr Klöppelmann hat von einer Krähe erzählt, die solange einen Briefträger gepickt hat, bis der vom Fahrrad gefallen ist, mitsamt seiner Tasche. »Die wollte nur sehen, was in der Tasche ist, neugierig die Biester!«, hat Herr Klöppelmann gesagt.
Die Krähe hat aber nicht vor, Jakob zu picken. Sie legt ihm ein Reiskorn in die Hand.
»Danke«, sagt Jakob und die Krähe fliegt unter dem Regen hindurch in den Himmel. Der ist grau. Graue Himmel malt Jakob selten.
Ein Reiskorn. Ein einzelnes, kleines Reiskorn, mit dem man nichts anfangen kann. Jakob schaut noch lange zum Fenster hinaus, aber die Krähe lässt sich nicht mehr blicken. Ein paar andere Vögel kreisen weit hinter den Hausdächern.
»Krroargh!«, versucht Jakob es selbst einmal. Vielleicht kann er die Krähensprache lernen? Doch in seinem Mund scheint etwas zu fehlen. Sein Krroargh hört sich samtig an, es knarrt nicht und schnarrt nicht wie bei der Krähe.

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