Direkter Wagen Köln – Paris

Russisch ist die Umgangssprache der Reisenden. Der Herr in gelben Schuhen verstaut das viele Gepäck seiner zwei mehligen Damen. Sie haben winzige Füßchen und viel Konfekt. Ihr Geplauder klingt leidenschaftlich. Ein piou-piou neben mir, billig und bescheiden, liest „L’horrible Agonie de Lady Lannoix“. Nach und nach besiegt sein ausdauernder Soldatengeruch die Parfüms. Auf dem Gang wechselt einer Berliner blondglatziger Dicker, einen Flirt zu sichten. (Helen Hessel „Ich schreibe aus Paris“, S. 23, Nimbus Verlag)

Helen Hessel, mehrmals Frau des großen Flaneurs Franz Hessel, zeitweilig und gleichzeitig Geliebte von Henri-Pierre Roché, was dieser dann in dem berühmten und später (von Truffaut) verfilmten Roman ‚Jules et Jim‘ verewigte. Und dann noch Mutter von Stéphane Hessel („Empört euch!“, erschienen bei Ullstein), aber dieses etwas „von“ jemand sein ist eigentlich eine Missachtung ihres eigenen Könnens, z.B. Menschen zu sehen und sie wie oben in sprachlichen Bildern abzulichten. Der Verlag bezeichnet sie deshalb auch als Modeschriftstellerin. Recht so.

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