Der Eisbär – von Antje Herden

Gestern postete ich mein Ballon-Orakel hier und auf Facebook und prompt kam eine Geschichte von meiner sehr geschätzten Kollegin Antje Herden zu all den Fragen, die diese aufgeblasenen Typen (und Typinnen) im Ballonladen an der Ecke so aufkommen ließen. Dann soll die Frau Herden das letzte Wort hier haben. Für dieses Jahr.

Der Eisbär

Er war den weiten Weg gekommen und nun das.
„Geh nicht“, hatten die anderen ihn gewarnt. „Der Weg ist weit und gefährlich und das Ziel ein ungewisses.“
Doch er hatte ihre Worte in den eisigen Nordwind geschlagen und war losgetrottet. Er war nicht allein unterwegs. Manchmal sah er seinen Nachbarn in der Ferne. Er konnte den Typ in seinem albernen roten Mantel nicht leiden und freute sich, dass der seinen Wagen, mit dem er sonst seine Angeberrunden am Mond vorbei zog, nicht benutzen konnte. Doppelter Kufenbruch bei der letzten Ausfahrt. Wegen exorbitanter Überladung. Weiterlesen

Literaturschatzheber gesucht – Gastbeitrag von Barbara Zoschke

Im Dorstfelder Schulte-Witten Haus schlummert ein großer literarischer Schatz. Mehr als 10.000 Medien warten darauf, aus Kisten und Kartons den Weg in die Regale der ersten Präsenzbibliothek für Kinder- und Jugendliteratur zu finden. Wenn alles nach Plan läuft, kann die Bibliothek Anfang Oktober eröffnet werden. Um dies zu verwirklichen, braucht das JUGENDSTIL – Kinder- und Jugendliteraturzentrum NRW Unterstützung. Der Förderverein des Zentrums hat ein Crowdfunding-Projekt gestartet, um 5000 Euro zu sammeln. Die Autorin und Initiatorin Barbara Zoschke  stellt das Projekt in diesem Gastbeitrag vor:

Als uns der Kölner Literatur-Professor Winfried Kaminski vor zwei Jahren seine gesamte Bibliothek überließ, waren wir komplett aus dem Häuschen. Die über 30 Jahre alte Sammlung von Primär- und Sekundärliteratur aus dem Kinder- und Jugendbereich ist ein wahrer Fundus von unschätzbarem Wert für alle Studierenden, für alle großen und kleinen Literaturinteressierten, die sich beruflich oder privat mit Büchern beschäftigen. Und sofort war klar: Wir brauchen endlich eine Bibliothek. Eine Einrichtung, in der auch die Rezensionsexemplare aus den Verlagen, mit denen wir kreative Leseförderung und Literaturvermittlung in jährlich 400 Veranstaltungen (Workshops, Weiterbildungen, Literaturprojekte) betreiben, eine Heimat finden. Die Neuzugänge aus den Verlagen, die wir jährlich zweimal erhalten, werden die Präsenzbibliothek ständig ergänzen… Ein Traum! Weiterlesen

Väter lesen vor – ein Projekt der pro familia Passau

„Dieses Vätervorlese-Projekt lässt sich leicht und ohne finanzielle Ressourcen jederzeit und überall realisieren. Wenn ich das praktisch vor Ort umsetze,  brauche ich keine Politik, dann ändert sich etwas bei den beteiligten Menschen.“
Perdita Wingerter von Pro Familia Passau im Gespräch mit Dr. Bruno Köhler, Leiter des Projekts „Jungenleseliste“ von MANNdat e.V. – ein Gastbeitrag

MANNdat: Sehr geehrte Frau Wingerter, pro familia führt derzeit ein Vätervorlese-Projekt durch. Wie läuft das ab?

Perdita Wingerter: Wir haben vor einigen Jahren eine Männergruppe bei pro familia initiiert, die sehr aktiv ist. Ich habe dort angefragt, ob sich einige der Väter vorstellen könnte, sich auch bei einer Vorleseaktion für Kinder zu engagieren. 4 Väter sagten spontan zu. Wir arbeiten bei der Aktion mit der örtlichen Bücherei zusammen, die einen eigenen Raum dafür zur Verfügung stellten und uns bei der Werbung unterstützen. Zielpublikum waren Kinder im Alter zwischen 5 und 8 Jahren. Wir richteten den Raum sehr gemütlich her, mit großen Sitzkissen, einem gemütlichen Ohrensessel für die Vorleser, dekorierten den Raum und stellten für die Kinder Kekse und Getränke zur Verfügung. Die Vorleseaktion dauert zwischen 1 – 1,5 Stunden – länger können sich die Kinder nicht konzentrieren. Weiterlesen

Vom Manuskript zum Buch – Gastbeitrag von Svea Unbehaun

In Lesungen werde ich von Kindern und Jugendlichen immer wieder gefragt, wie so ein Buch eigentlich entsteht, was der Verlag tut und worin die Aufgabe des Lektors besteht. Svea Unbehaun, die im Thienemann Verlag für die Pressearbeit zuständig ist, war beim Erscheinen meines Romans Landeplatz der Engel so nett, dies in meinem damaligen Blog über das Buch zu erklären.

Das Wort „Autor“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie Schöpfer oder Urheber. Zunächst ist ein Buch natürlich das Werk seines Autors – ein Produkt seiner kreativen Fantasie und seines schreiberischen Könnens. Die erste Erscheinungsform, in der das Buch vorliegt, ist das Manuskript – also der reine Text, bevor er gedruckt wird.

Svea Unbehaun, zuständig für die Pressearbeit im Thienemann Verlag, Stuttgart

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„Ich warte auf mein Lieblingsbuch, so lange gehe ich hier nicht weg!“ – Gastbeitrag von Christina Bacher

Christina Bacher ist nicht nur Autorin, Journalistin und die erste Stipendiatin im Scriptorium des Kulturamts der Stadt Köln, sondern auch noch die erste Bücherbuden-Patin, die ich kenne. Grund genug, sie um einen Gastbeitrag zu bitten.

„Ich warte auf mein Lieblingsbuch, so lange gehe ich hier nicht weg,“ murmelt Aleks vor sich hin und starrt auf die vielen bunten Bücher in dem offenen Bücherschrank, der seit heute den Schulhof der GGS Nibelungenschule im Kölner Stadtteil Mauenheim ziert. Alicia dagegen hat wie viele andere schon ein Buch gefunden, das sie gleich am Abend durchlesen will. „Wenn es mir dann doch nicht gefällt, bringe ich es morgen einfach wieder. Das geht doch, oder?“ Klar, das geht. Das System der Offenen Bücherschränke, die in vielen Städten an öffentlichen Plätzen schon ganz und gäbe sind und sogar am Ausgang von IKEA ihren festen Platz haben, ist eigentlich ganz einfach: Jeder kann sich ein Buch herausnehmen und behalten. Super wäre, er stellt auch mal ein anderes Buch ein. Muss er aber nicht.

Links Bücherbude, Mitte Patin, vorne Kids der GGS Nibelungenschule Mauenheim

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